Risikofaktor Spielgerät
„Macht keinen Sinn zu lamentieren“

Andreas Köpke lässt bei der Euro keine Ausreden in Bezug auf den Spielball gelten. "Ich glaube nicht, dass wir ein Gegentor bekommen, das am Ball liegt", erklärteder Bundestorwarttrainer - und nimmt so auch seine Schützlinge in die Pflicht.

Der Ball flattert, die Nerven nicht. "Ich glaube nicht, dass wir ein Gegentor bekommen, das am Ball liegt", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke vor dem ersten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Sonntag in Klagenfurt gegen Polen (20.45 Uhr/live im ZDF) voller Überzeugung. Zwar schloss sich der Europameister von 1996 grundsätzlich der Kritik von Jens Lehmann an, dass der "Europass" ein für die Schlussleute "unberechenbarer Flatterball" sei, dies könne nach der dreiwöchigen intensiven Vorbereitung mit dem offiziellen Spielgerät aber nicht als Entschuldigung bei Torwartfehlern herhalten.

"Macht keinen Sinn zu lamentieren"

"Es macht keinen Sinn zu lamentieren. Der Vorteil ist, dass wir drei Wochen mit dem Ball trainiert haben und uns auf ihn einstellen konnten. In der Bundesliga spielt man Woche für Woche mit verschiedenen Bällen, da muss sich der Torwart jedesmal umstellen", sagte Köpke und entzog der deutschen Nummer eins, die das Gegentor zum 2:2 im Test gegen Weißrussland vor anderthalb Wochen auf den Ball geschoben hatte, frühzeitig jegliches Alibi. Allerdings räumte der 46-Jährige ein: "Ich glaube, dass kein Torwart hundertprozentig mit dem Ball zufrieden ist, auch wenn es nicht alle öffentlich sagen."

Köpke berichtete, dass man aufgrund der besonderen Eigenschaften der Kunstoffkugel das Torwartraining in den vergangenen Tagen umgestellt habe. "Wir haben mehr Schüsse gemacht, die Feldspieler mit ins Torwarttraining einbezogen, damit die Torleute sich auf die Flugbahn einstellen konnten." Deshalb mache er sich keine Sorgen, dass Lehmann im Turnier mit dem Ball große Schwiergkeiten habe.

Dies gelte ebenso für Robert Enke, der nach einer Besprechung des Trainerstabes am Freitagabend zur Nummer zwei hinter Lehmann bestimmt worden war, und Rene Adler. "Wir sind sicher, dass unsere Torleute die richtige Entscheidung treffen werden. Der Ball ist zwar schwer festzuhalten, es gibt aber keine Anweisung, den Ball im Zweifelsfall zu fausten. Aufgrund der Entwicklung bei den Bällen ist es ohnehin so, dass auch in der Bundesliga mehr gefaustet und die Bälle zur Seite abgewehrt werden", sagte der dreimalige WM- und zweimalige EM-Teilnehmer.

Grundsätzlich sei es aber so, dass es bei den Veränderungen im Fußball nicht viele Dinge gebe, die die Torhüter begünstigen. Damit meinte Köpke unter anderem die Rückpassregel, mit der sich die Keeper mittlerweile aber alle gut arrangiert hätten. "Es bringt sowieso nichts, sich über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann." Dies schrieb er auch Lehmann ins Stammbuch, der trotz seiner Wackler in diesem Jahr gegen Weißrussland und Österreich das hundertprozentige Vertrauen der sportlichen Führung genieße.

Keine Gespräche über Zeit nach der EM

Lehmann habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er auch ohne größere Spielpraxis gut halten kann. Mit dem künftigen Stuttgarter habe er aber noch nicht über die Zeit nach der EM gesprochen. "Ich freue mich, dass er einen gut Klub gefunden hat und noch ein, zwei Jahre spielt. Wir werden aber erst nach dem Turnier die Lage in Ruhe analysieren und dann entscheiden, wie es weitergeht", meinte Köpke.

Lehmann hatte angedeutet, dass er sich trotz seiner 38 Jahre eine Fortsetzung seiner Karriere bis zur WM 2010 in Südafrika vorstellen könne. Enke und Adler, die sich beide im Training sehr gut präsentieren würden, müssten die Zeit bei der Euro nutzen, zu beweisen, "wer der Bessere von den beiden ist".

© SID

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