Rooney in der Kritik
Vom Superstar zum Sündenbock

Wayne Rooneys Fuß kommt in England nicht aus den Schlagzeilen. Erst sorgte der Jungstar wegen seines Fuß-Bruchs für Schlagzeilen, nun fallen die englischen Landsleute wegen seines Fuß-Tritts über ihn her.

Vom Hoffnungsträger zum Sündenbock: Englands Wayne Rooney trug die Hoffnungen des Fußball-Mutterlandes auf seinen breiten Schultern, doch ausgerechnet der Jungstar, der sich nach einem Fußbruch sensationell doch noch für die Weltmeisterschaft fit meldete, fügte seinen seit dem Titelgewinn 1966 bei großen Turnieren immer wieder gequälten Landsleuten eine weitere Wunde zu. "Roo" leistete sich mit einem Tritt in die Weichteile von Ricardo Carvalho am Samstag eine Rote Karte (62.) und war damit ungewollt mitverantwortlich für das Aus von England im WM-Viertelfinale gegen Portugal (1:3 n.E.).

Die englische Yellow Press kannte am Sonntag ebenso wenig Gnade mit dem 20-Jährigen wie 1998 mit David Beckham. "Zehn Löwen und ein dummer Junge", titelte der Sunday Express. Vor acht Jahren war Beckham, damals 23 Jahre jung, der Sündenbock, als er Diego Simeone umtrat und die Rote Karte sah. England schied im Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen Argentinien aus. Danach schrieb die Sun: "Zehn Helden und ein Idiot."

Eriksson nimmt Rooney in Schutz

Allerdings diktierte Sven-Göran Eriksson den englischen Medien am Sonntag in die Blöcke, seinen Lieblingsspieler in den kommenden Wochen in Frieden zu lassen. "Macht ihn nicht kaputt. Er ist der goldene Junge des englischen Fußballs. Ich bin wirklich nicht sauer auf ihn", sagte der 58-jährige Schwede auf seiner letzten Pressekonferenz als englischer Nationalcoach im Bühlertal.

Rooneys Kurzschluss am Samstag war der vorläufige Tiefpunkt in seiner Karriere. Nach dem rauschenden Einstieg in die Premier League mit dem FC Everton 2002 und dem kometenhaften Aufstieg mit dem Wechsel zu Manchester United lernte der kräftige und schnelle Angreifer bald auch die Schattenseiten der großen Fußballbühne kennen. Bei der Euro 2004 war der Stürmer mit einem gebrochenen Fuß schon früh ausgeschieden. Es folgten weitere kleinere Verletzungen und die unangenehmen Erfahrungen mit den aggressiven Reportern auf der Insel, denen scheinbar nichts entgeht.

So sorgte sein Besuch bei einer reiferen Prostituierten für großes Aufsehen. Seine Lebensgefährtin Coleen Mcloughlin verließ ihn und kehrte nach seinen öffentlichen Bitten zurück. Dazu kam für den Sohn eines Amateurboxers Ärger mit der Staatsgewalt. Auf einer Party, die Rooney zum 18. Geburtstag seiner Verlobten gab, zettelte er eine Massenschlägerei an, die von der Polizei geschlichtet werden musste. Knapp zwei Monate vor WM-Beginn musste Rooney Medienberichten zufolge bei einem Anbieter von Pferdewetten angeblich 945 000 Euro Spielschulden begleichen.

Nun kämpfte sich Wayne Rooney innerhalb von nur 47 Tagen nach seinem Fußbruch WM-fit - und machte ausgerechnet mit einem Fuß-Tritt wieder alles zunichte.

© SID

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