Fußball
Rosenzüchter Meyer will „Club“ aus Krise führen

Er hat das Image des herzlichen Schleifers und gilt als ein Trainer, der seinen Spielern den Spaß am Fußball vermitteln kann: Schon nach einer Woche hat Hans Meyer beim 1. FC Nürnberg mit seiner kauzig-freundlichen Art für einen Stimmungsumschwung gesorgt.

dpa NüRNBERG. Er hat das Image des herzlichen Schleifers und gilt als ein Trainer, der seinen Spielern den Spaß am Fußball vermitteln kann: Schon nach einer Woche hat Hans Meyer beim 1. FC Nürnberg mit seiner kauzig-freundlichen Art für einen Stimmungsumschwung gesorgt.

Meyer hat dem Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga neuen Mut eingeimpft. Kurz vor dem „Kellerduell“ beim 1. FC Kaiserslautern scheinen allerdings weniger die Maßnahmen des 63-Jährigen für den neuen fränkischen Optimismus verantwortlich zu sein, als schlicht dessen Persönlichkeit.

Zwei Mal pro Tag wird es laut am Trainingsgelände des FCN. So sehr Meyer für seinen feinsinnigen Humor abseits des Platzes bekannt ist, so rau kann er manchmal darauf wirken. „Wenn er etwas sagt, ist es für uns wie ein Befehl“, sagt Spielmacher Ivica Banovic. Von einer „besonderen Aura“ spricht gar Kapitän Mario Cantaluppi: „Es ist diese Mischung aus Coolness und Erfahrung. Die ist perfekt für uns.“

Meyer selbst, der in der Saison 2003/04 bereits Hertha BSC vor dem Abstieg gerettet hat, gibt sich mit Prognosen zurückhaltend: „Ich habe kein Patentrezept“, sagte er über seine Chancen, den 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg zu retten. Die Rückkehr aus seinem heimatlichen Garten, in dem er sich nach seinem Abschied aus Berlin nur noch um die Rosen kümmern wollte, hat Meyer offenbar noch nicht bereut. Und doch: „Es wird auch noch ein wenig dauern, bis die Mannschaft und ich richtig zusammengefunden haben.“

Besonders schwer wiege, dass er einen großen Teil seines Personals erst im Laufe dieser Woche erstmals zu Gesicht bekommt. Stürmer Stefan Kießling stieß nach der EM-Qualifikation des deutschen U-21-Nationalteams wieder zur Mannschaft. Die Nationalspieler Jan Polak (Tschechien), Jawahr Mnari und Adel Chedli (Tunesien), Robert Vittek (Slowakei), Iwan Saenko (Russland) und Bartosz Bosacki (Polen) erwartet Meyer ebenfalls in Nürnberg zurück. „Es ist natürlich schon ein Manko, dass ich einige wichtige Spieler erst zwei Tage vor Kaiserslautern sehe“, sagte der Brandenburger vor seiner 75. Partie als Bundesliga-Trainer.

Inwieweit Meyer die Aufstellung des zuletzt desolaten Teams verändern wird, will er allerdings noch nicht Preis geben. Führungsspieler wie Polak, Cantaluppi und Banovic scheinen ebenso gesetzt wie der junge Kießling. Die zuletzt stark kritisierte Defensivreihe um die Innenverteidiger Thomas Paulus und Andreas Wolf sieht dagegen wohl einer Umgestaltung entgegen. Bei dem 2:0-Sieg in einem Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav am Samstag spielten bereits die erfahreneren Bartosz Bosacki und Marek Nikl.

Das Trainingspensum hat Meyer gegenüber Vorgänger Wolfgang Wolf leicht erhöht. Vormittags und Nachmittags lädt er sein Team nun auf den Platz, dazwischen gibt es ein gemeinsames Mittagessen. „Das ist schon gut so“, erzählte Banovic nach den ersten gemeinsamen Mahlzeiten mit dem Team, „wir haben weniger Stress und sind alle zusammen.“ Außerdem hat der 63-Jährige, der ein bekennender Fan von Gruppenarbeit ist, einen zweiten Co-Trainer neben Dieter Lieberwirth installiert. Jürgen Raab spielte bei Carl Zeiss Jena zwölf Jahre selbst unter Meyer und weiß deshalb um die Stärken seines Chefs: „Er ist jemand, der einem Bewusstsein für den Beruf und Respekt vor dem Spiel vermittelt.“

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