Fußball
Rummenigge nimmt die Uefa ins Visier

Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat erneut die TV-Rechtevergabe der Uefa scharf kritisiert und sich dabei auf Lars-Christer Olsson eingeschossen.

Der Ton zwischen den europäischen Spitzenklubs und der Uefa wird schärfer: Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat die heftige Kritik des Generaldirektors der Europäischen Fußball-Union (Uefa), Lars-Christer Olsson, zurückgewiesen und die Uefa im Streit um die TV-Rechtevergabe seinerseits attackiert. "Ich verstehe das Geschäft sehr wohl", sagte Rummenigge im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) und konterte am Mittwoch in Wien eine gegenteilige Aussage Olssons. Zugleich machte der 49 Jahre alte ehemalige Nationalmannschaftskapitän darauf aufmerksam, dass sich der europäische Verband beim Verkauf der kompletten TV-Rechte an der Champions League vor wenigen Wochen an den Pay-TV-Sender Premiere über geltendes EU-Recht hinweggesetzt habe.

Die Klubs sind Mitinhaber

"Die Klubs sind Mitinhaber an den Rechten der Champions League. Die Uefa besitzt diese Rechte also nicht alleine", sagte Rummenigge. Die EU-Kommission habe diesen Sachverhalt in einem Urteil bestätigt, ergänzte er: "Auch der Teilnehmer Bayern München müsste demnach ein Mitspracherecht haben. Doch die Klubs haben dieses Recht in der Vergangenheit nicht stark genug eingefordert."

Von den im Europäischen Klubforum vertretenen Vereinen bekomme der FC Bayern in dieser Angelegenheit aber nun Rückendeckung, sagte Rummenigge. "Alle Klubs wollen besser informiert und in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Dass das der Uefa nicht gefällt, ist mir klar. Ich habe keinen Beifall erwartet." Olsson hatte ein Mitspracherecht der Vereine am Dienstag abgelehnt und die frühere Kritik Rummenigges als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet.

"Vielleicht hat mich Herr Olsson nicht richtig verstanden"

In einem Gespräch mit dem Funktionär vor Wochenfrist hatte Rummenigge nach eigener Aussage "nur höflich darum gebeten", dass der FC Bayern wie auch die anderen Klubs informiert werden sollten, wenn es um die Vergabe der deutschen Fernsehrechte geht. "Vielleicht hat mich Herr Olsson nicht richtig verstanden", sagte Rummenigge.

"Ein Beispiel dafür, wie es laufen könnte und sollte, ist die Bundesliga", meinte Rummenigge: "Da macht zwar die Geschäftsführung die Ausschreibung, aber im Vorstand der Deutschen Fußball Liga sitzen Vereinsvertreter. Diese sind maßgeblich an der Entscheidungsfindung beteiligt. Die Uefa sollte sich ein Beispiel an der Bundesliga nehmen. Wie die DFL das macht, ist vorbildlich."

Bei der für Spätherbst erwarteten Vergabe der Bundesliga-Rechte gelte es zu gewährleisten, dass auch der Free-TV-Markt seinen Anteil abbekomme, sagte Rummenigge mit Verweis auf die Sponsoreneinnahmen der Klubs. "Es nützt nichts, wenn wir vom Pay-TV in die linke Tasche mehr bekommen, uns das dann aber in der rechten Tasche beim Sponsoring fehlt", sagte er, betonte aber zugleich: "Wir müssen mehr Geld erzielen."

Einführung eines Freitagspiels eine Option

Dazu sei die Einführung eines Freitagspiels eine Option. Eine "Sportschau" von 18.10 Uhr auf 22.00 Uhr zu verlegen, um dem Pay-TV mehr Exklusivität zu verschaffen, hält Rummenigge jedoch für wenig sinnvoll. Auch einen Zeitpunkt für die Vorlage der Liga nannte der einstige Weltklassestürmer. "Ich bin überzeugt, dass die DFL bis Ende des Monats eine sehr gute Lösung präsentieren und dann die Ausschreibung beginnen wird."

Die Liga befinde sich indes - anders als vor drei Jahren, als das Pay- und Free-TV gemeinsam 300 Mill. Euro pro Saison bezahlten - in diesem Jahr in einer besseren Verhandlungsposition, meinte Rummenigge. "Damals gab es einen Wettbewerb pro TV-Anstalten, heute gibt es einen pro Fußball."

Aus ähnlichen Beweggründen hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert unlängst den Wert der Pay-TV-Rechte der Bundesliga auf eine Summe von einer Milliarde Euro taxiert. Rummenigge bescheinigte Seifert, dass dieser "einen sehr, sehr guten Job macht. Die Ausschreibung wird so intelligent gemacht werden, wie nie zuvor".

© SID

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