Rummenigge: UEFA will nur Geld
Streit um Übertragung der Champions-League wird heftiger

Die Vergabe der Senderechte für die Champions-League an den Bezahlsender „Premiere“ geraten immer heftiger in die Kritik. So schimpfte der Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstag in Berlin auf die Spitze der Europäischen Fußball-Union (UEFA): „Diktatoren, die nur an Geld denken, unsensible Herren.“

HB BERLIN. Seit Tagen werde er von Protestbriefen erzürnter Fans überhäuft. Rummenigges Horror-Szenario: „Der FC Bayern München steht einmal wieder im Finale der Champions-League, und nur einige wenige Millionen „Premiere“-Abonnenten können das Spiel live sehen.“

So räumte der Vorstandschef des deutschen Meisters ein, dass die Bundesliga-Clubs auf höhere Einnahmen aus dem TV-Geschäft angewiesen sind. „Um Spieler wie Michael Ballack zu halten, brauchen wir mehr Geld.“ Fußball bleibt aber auf das große Publikum angewiesen. Bei den anstehenden Verhandlungen um die Bundesliga-Rechte will Rummenigge auf jeden Fall eine Wiederholung des „Premiere“-Coups verhindern. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Fußball-Liga (DFL) verspricht ein transparentes Verfahren, bei dem nicht nur das höchste Gebot, sondern auch die besten Sendeformate über den Zuschlag entscheiden sollen.

Und Rummenigge will das Angebot sogar noch erweitern. Der Freitag soll wieder Spieltag werden, ein oder zwei Spiele seien denkbar. Möglichst viele Zuschauer und möglichst viel Geld - so lautet Rummenigges Spagat auf der Suche nach höheren Erlösen. Und auch Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) will die Fußballkultur retten. „Fußball muss im Free-TV bleiben“, rief der einstige Hobby-Kicker auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg in den Konferenzsaal unter der Tribüne des Berliner Olympiastadions.

Hans Mahr, im „Premiere“-Vorstand für den Sport zuständig, bemühte sich um Entspannung. Der Abo-Kanal werde auf jeden Fall dienstags und mittwochs die Vorrundenspiele offen zeigen, dafür wird noch ein Kanal gesucht. Mahr versuchte aus „Premiere“-Sicht aber auch, die Verhältnisse zurechtzurücken. Der Eintritt für ein Bundesligaspiel, so rechnete er vor, koste im Durchschnitt so viel wie das Montas- Abonnement für sein Programm.

Die Vereine könnten nicht höhere Einnahmen aus dem TV-Geschäft wünschen und sich gleichzeitig gegen die Übertragung im Bezahlfernsehen wehren. „Wir sammeln das Geld für die Clubs und müssen uns dafür noch beschimpfen lassen“, beklagte sich Mahr.

WDR-Intendant Fritz Pleitgen kündigte harte Verhandlungen um die Bundesliga-Rechte an. Da Sat.1 und RTL bei der Champions-League leer ausgegangen seien, rechne er mit einem scharfen Wettbewerb. Das Erste will die Bundesliga für die „Sportschau„ auf jeden Fall halten. „Wir werden uns nicht so leicht abhängen lassen“, sagte Pleitgen. Und auch Franz Beckenbauer sieht den Fußball im freien Fernsehen besser aufgehoben. „Die Sponsoren wollen möglichst viele Zuschauer“, sagte der Chef des WM-Organisationskomitees. Und so gibt sich der Kaiser zuversichtlich. „Wir werden einen Kompromiss finden, schau'n mer mal.“

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