Russland und Katar
Fifa stellt Strafanzeige wegen WM-Vergabe

Die Mittel der Fifa-Ethikkommission reichen nicht aus: Sepp Blatter stellt wegen umstrittener WM-Vergaben Strafanzeige gegen Einzelpersonen – es gab Geldflüsse in die Schweiz. Der Garcia-Report bleibt indes geheim.
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ZürichDer Skandal um die WM-Vergabe an Russland und Katar beschäftigt nun auch die Schweizer Justiz - und das auf Initiative des arg in Bedrängnis geratenen Weltverbandes: FIFA-Präsident Joseph Blatter hat am Dienstag Strafanzeige gegen „Einzelpersonen“ bei den Berner Behörden gestellt. „Wenn wir etwas zu verbergen hätten, würden wir uns hüten, ausgerechnet die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Die FIFA-internen Gremien haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten getan, was sie konnten, und arbeiten weiter daran“, begründete Blatter in einem FIFA-Interview auf der Homepage des Weltverbandes seine überraschende Offensive.

„Jetzt wird die Angelegenheit zusätzlich noch von unabhängiger staatlicher Seite aus beleuchtet“, konstatierte Blatter, der in der Affäre seit Veröffentlichung des Berichts der eigenen Ethikkommission und dem Freispruch für Russland und Katar am vergangenen Donnerstag geschwiegen hatte. Der Strafantrag wurde von der FIFA auf Empfehlung von Hans-Joachim Eckert gestellt, dem zuletzt international harsch kritisierten Vorsitzenden der Rechtssprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. Gegen wen sich der Antrag konkret richtet, ist allerdings unklar.

Eckert hatte in seinem Urteil zur WM-Vergabe 2018 und 2022 die Gastgeber Russland und Katar sowie die sieben unterlegenen Kandidaten vom Vorwurf der Korruption freigesprochen, aber weitere Ermittlungen gegen Einzelpersonen angemahnt. „Manche dieser Abklärungen kann die FIFA-Ethikkommission selbst vornehmen. Andere wiederum gehören in die Hände der zuständigen Ermittlungsbehörden“, sagte Eckert auf der FIFA-Homepage.

Die Ankündigung könnte eine dramatische Wende im FIFA-Skandal einläuten. Besonders die Rolle der 22 wahlberechtigten Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees bei der Abstimmung im Dezember 2010 - unter ihnen Franz Beckenbauer und Blatter selbst - steht auf dem Prüfstand. Über einen Zeitrahmen der Ermittlungen gibt es noch keine Angaben.

In die Affäre war schon vor der brisanten Mitteilung aus Zürich Bewegung gekommen. Am Donnerstag wird sich Eckert mit Michael Garcia zu einem geheimen Spitzengespräch treffen. Die Zusammenkunft des deutschen Richters mit dem Top-Ermittler aus den USA wurde am Dienstag vom Fußball-Weltverband bestätigt. Ort und Zeit des Treffens sind aber vorerst nicht publik.

Eckert hatte am Wochenende angekündigt, den Kontakt zu Chefermittler Garcia aufzunehmen. Der Amerikaner hatte zuvor Einspruch bei der FIFA-Berufungskommission gegen Eckerts WM-Urteil angekündigt. Ob er diesen im Lichte der neuen Entwicklungen aufrecht erhält, ist unklar.

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Platini befürwortet Veröffentlichung von Garcia-Bericht

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