Sardinien
Fitnesstrainer dominieren DFB-Trainingslager

Beim Regenerations-Trainingslager auf Sardinien haben vorerst die Fitnesstrainer aus den USA das Kommando übernommen. "Das sind absolute Topleute. Da mischen wir uns nicht ein", sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Zumindest für Jürgen Klinsmann dürften die ersten Tage mit der deutschen Nationalmannschaft auf Sardinien eher ruhiger verlaufen sein. Der Bundestrainer hält sich dezent im Hintergrund, wenn seine vier Fitnesstrainer die DFB-Stars bei den diversen Übungen anleiten. Statt Klinsmann und dessen Assistent Joachim Löw führen die US-Boys Marc Verstegen, Shad Forsythe und Craig Friedman sowie Oliver Schmidtlein Regie bei den Einheiten im so genannten Regenerations-Trainingslager im mondänen Forte-Village-Resort in Pula.

"Das sind absolute Topleute. Da mischen wir uns nicht ein", betont Klinsmann. Stabilisations-, Kraft- und Beweglichkeitsübungen stehen im ersten Teil der WM-Vorbereitung vorwiegend auf dem Stundenplan der Nationalspieler - alles akribisch geplant, um am Tag X, dem 9. Juni zum WM-Eröffnungsspiel gegen Costa Rica in München, topfit zu sein.

Von Wellness-Urlaub, wie oft zu hören war, kann auf Sardinien kaum die Rede sein. Für den Bundestrainer ist es "ein Wechselspiel zwischen Regeneration und ein bisschen intensiverem Training". Der Ball ist dabei kaum im Spiel, ab und an ein Medizinball, doch das sei Absicht, so Klinsmann: "Wir wollen in Richtung Genf auch die fußballerische Vorfreude wecken."

"Wenn die körperlichen Voraussetzungen stimmen, kann man viel bewegen"

Klinsmann weiß, dass die Fitness neben dem Teamgeist die Grundvoraussetzung für den Erfolg bei der Weltmeisterschaft sein wird. Technisch kann die DFB-Auswahl vielen Teams nicht oder kaum das Wasser reichen. "Wir sind keine Brasilianer. Doch wenn die körperlichen Voraussetzungen stimmen, kann man viel bewegen", weiß der Bundestrainer.

Darauf arbeitet das Team um Klinsmann seit fast zwei Jahren pedantisch hin. Mittels diverser Leistungstests verschaffte sich die sportliche Leitung ein genaues Bild über Schwächen und Stärken und richtet nun in der Vorbereitung das Training mit individuellen Plänen entsprechend darauf aus. Ziel der Arbeit auf Sardinien ist es, dass spätestens während des Trainingslagers in Genf ab Sonntag alle einigermaßen auf dem gleichen Niveau sind. Bis zum 30. Mai erwarten die Spieler am Genfer See dann laut Klinsmann einige "extrem harte Tage".

Zwar soll dann im Stadion von Servette Genf vor allem im fußballerischen und taktischen Bereich das Fundament für die WM gelegt werden. Darüber hinaus kümmern sich aber auch Verstegen und Co. weiter konsequent um die Spieler. Klinsmann lässt dazu im Event-Center des Stadions extra einen 1000qm großen Fitnessbereich einrichten.

Längst sind die Zeiten vorbei, als die Methoden der Fitness-Trainer, die Klinsmann bei seinem Amtsantritt aus den USA mitgebracht hat, belächelt wurden. Beim so genannten Gummi-Twist etwa, bei dem die Spieler mit Gummibändern um die Beine wie Enten über den Platz watscheln, wundert sich keiner mehr.

"Edel-Tuning" für DFB-Team

Verstegen, der in den USA einer der Top-Coaches und Leiter des renommierten Leistungszentrums Athletes Performance in Phoenix/Arizona ist, weiß, dass viele Übungen für die Spieler eine "sehr schwierige Herausforderung sind. Aber sie machen ihre Sache sehr gut und haben viel Spaß dabei." Seine Zielsetzung umschreibt er so: Die Spieler seien bereits top, vergleichbar mit einem Mercedes. Er wolle sie aber jetzt per Edel-Tuning zum AMG-Mercedes aufmotzen.

Zu Beginn der Arbeit habe man versucht, "die Spieler verletzungsunanfälliger gemacht". Danach habe man am Speed gearbeitet. Bei der WM schließlich müssten dann Speed, Fitness und Gelenkigkeit zusammenpassen: "Da muss das Auto fürs Rennen top sein."

Wichtig ist Verstegen und Klinsmann, dass die Spieler trotz der intensiven Arbeit Spaß haben. "Wenn sie Spaß haben, geben sie auch Gas", erklärt Verstegen. Abwechslung sei ganz wichtig, betont auch der Bundestrainer: "Je mehr wir im Training variieren, desto mehr halten wir die Spieler bei Laune, und desto lieber spielen sie Fußball." Es gebe nichts Schlimmeres in der wochenlangen Vorbereitung auf ein Turnier, "als dass du als Spieler zum Training kommst und genau weißt, dass wieder das Gleiche ansteht".

© SID

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