Schadenersatz im WM-Skandal: „Beckenbauer, Zwanziger, Niersbach, Schmidt und ich”

Schadenersatz im WM-Skandal
„Beckenbauer, Zwanziger, Niersbach, Schmidt und ich”

Im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM geht es nicht mehr nur um Schuld und Unschuld oder um Posten – sondern vor allem um viel Geld. Das bekommen jetzt Beckenbauer & Co zu spüren. Wie WM-Macher Fedor Radmann weiß.

Berlin/FrankfurtIn der Sommermärchen-Affäre geraten die Hauptfiguren um Franz Beckenbauer juristisch immer mehr unter Druck. Nach Angaben des langjährigen „Kaiser”-Intimus Fedor Radmann haben die einstigen Spitzenfunktionäre eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 6,7 Millionen Euro vom DFB erhalten.

„Mir ist bekannt, dass das jeder bekommen soll oder schon bekommen hat (...). Alle. Also, das heißt: Beckenbauer, Zwanziger, Niersbach, Schmidt und ich.” Dies sagte der frühere Vizepräsident des Organisationskomitees der Weltmeisterschaft 2006 der Deutschen Presse-Agentur.

Der DFB widerspricht: Nur Fedor Radmann habe eine Zahlungsaufforderung in Höhe von 6,7 Millionen Euro bekommen. Dies habe mit der Rechtsordnung in der Schweiz zu tun, wo der langjährige Vertraute von Franz Beckenbauer wohnt. Für den „Kaiser“, der seinen Wohnsitz im österreichischen Salzburg hat, gilt nach DFB-Auffassung ebenso wie für die anderen deutschen ehemaligen Spitzenfunktionäre um Wolfgang Niersbach der Güteantrag – und sie bekommen keine direkte Zahlungsaufforderung.

„In der Schweiz wurde auf Grundlage des dort geltenden Rechts das Betreibungsverfahren auf den Weg gebracht, das sich in der Ausgestaltung von den Güteanträgen unterscheidet, aber für uns dasselbe Ziel verfolgt, nämlich die Sicherung von Ansprüchen für den gemeinnützigen Verband und die Vermeidung des Eintritts der Verjährung“, teilte DFB-Präsident Rainer Koch am Dienstag mit.

Zuvor hatte die „Bild”-Zeitung darüber berichtet, dass Radmann das Geld innerhalb von 20 Tagen an den Deutschen Fußball-Bund überweisen soll. Dabei geht es um jene Summe, die der DFB vor der WM auf ein Konto des Weltverbandes FIFA geleitet hatte. Angeblich sollte der Betrag zur Rückzahlung eines Darlehens des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus verwendet werden. Wohin es tatsächlich floss, ist bislang nicht geklärt.

Radmann erklärte, er habe die Zahlungsaufforderung am 8. Januar in seinem Schweizer Wohnort bekommen. Er habe widersprochen, jetzt sei der Verband am Zug. „Damit ist der DFB gefordert, nachzuweisen, dass es überhaupt eine Forderung gibt. Denn bis zum 8. Januar hat niemand mit mir je darüber gesprochen, noch gibt es irgendeinen Schriftverkehr. Die werden nie in der Lage sein, nur den Hauch einer Forderung nachzuweisen”, sagte Radmann. Das sei alles „ein bisschen sehr merkwürdig - das ist aber noch diplomatisch formuliert”.

Die 6,7 Millionen Euro an die FIFA waren ursprünglich als Beitrag für die später abgesagte WM-Eröffnungsgala verschleiert worden. Der ursprüngliche Kredit von Dreyfus war nach Angaben von Beckenbauer als Gegenleistung für einen hohen FIFA-Zuschuss zur WM in Deutschland verwendet worden.

Der DFB hat Güteanträge bei der Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle in Hamburg eingereicht, um den Anspruch auf möglichen Schadensersatz in Millionenhöhe zu wahren. Die Ansprüche richten sich neben Beckenbauer auch gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach, Ex-DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, den Testamentsvollstrecker von Robert Louis-Dreyfus sowie die FIFA.

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Radmann ist enger Vertrauter und Wegbegleiter Beckenbauers

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