Schalke-Manager Rudi Assauer über das Bosman-Urteil
„Bosman hat die Fußball-Welt deutlich verändert“

Schalke-Manager Rudi Assauer über die Folgen, die der von dem Belgier angestrengte Prozess und das Urteil für die Vereine bis heute hat.

Das so genannte Bosman-Urteil, das die Vertrags- und Transfermodalitäten in Europa neu gestaltete, jährt sich zum zehnten Mal. Wie hat es sich auf die Profivereine ausgewirkt?

Assauer: Die Fußball-Welt hat sich damit deutlich verändert. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat uns, ich will nicht sagen dramatische, aber doch drastische Einbußen beschert. Und es hat vorwiegend die Vereine getroffen. Es war nicht zuletzt deshalb so einschneidend, weil es völlig überraschend kam. Keiner hat damals mit diesem Urteil gerechnet. Daher war es eine mittlere Katastrophe.

Was war für die Clubs die einschneidendste Veränderung?

Assauer: Vor allem, was Spielerverpflichtungen, Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen angeht, wurde es enorm kompliziert. Vor dem Urteil war alles wesentlich leichter.

Sind alle Vereine gleichmäßig betroffen?

Assauer: Ich denke, das Gefälle zwischen großen und kleineren Vereinen ist größer geworden. Die Schere zwischen Arm und Reich ist weiter auseinander gegangen. Einige können sich teure Spieler leisten, andere nicht.

Gab es durch das Urteil auch Vorteile?

Assauer: Für die Profivereine kann ich keine Vorteile erkennen. Bis zum heutigen Tage nicht. Im Grunde hat sich alles gedreht. Die Verhandlungsposition der Clubs ist deutlich schlechter geworden. Profitiert haben vor allem die Spieler und deren Berater. Sie haben nach Ablauf der Verträge fast die gesamte Macht in Händen. Da werden bei den Gehältern und Handgeldern Summen aufgerufen, da wird einem schwindelig.

Aber immerhin wird inzwischen wieder mehr in den Nachwuchs, in die Ausbildung von Talenten investiert?

Assauer: Durch die finanzielle Situation waren viele Vereine gefordert zu handeln. Bei Schalke 04 haben wir den Nachwuchs schon immer gefördert. Wir geben pro Jahr rund 1,7 Millionen Euro für unsere Talente aus. Davon profitieren wir auch. Denn der eine oder andere Jugendspieler hat bei uns in den letzten Jahren den Sprung in den Profikader geschafft. Vor allem bei kleineren Vereinen hängt aber die Existenz noch stärker von der Nachwuchsarbeit ab, weil sie sich teure Spieler nicht leisten können und bei Transfers auf die Einnahmen durch Ablösesummen angewiesen sind.

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