Schalkes Ex-Präsident hat ein neues Leben begonnen
Der Sonnenkönig regiert in der Provinz

Als Präsident von Schalke 04 schrieb Günter Eichberg Bundesliga-Geschichte. 13 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang ist er Bürgermeister von Bad Bertrich - und Gastgeber des Schweizer WM-Teams.

NEWS FRANKFURT. An diese Minuten wird sich Günter Eichberg vermutlich sein Leben lang erinnern. Am 21. Mai 1997 jagten ihn aufgebrachte Schalker Fans durch die Mailänder Innenstadt. In aller Ruhe wollte sich Eichberg das Uefa-Cup-Finale gegen Inter Mailand anschauen. Doch die Anhänger der Königsblauen, zu dieser frühen Stunde noch nicht in Feierlaune (Schalke gewann das Endspiel im Elfmeterschießen), sahen in ihm nur den Schuldigen für die Finanzkrise, die Schalke vier Jahre zuvor fast die Lizenz gekostet hätte. 20 Millionen Mark Schulden hinterließ der "Sonnenkönig" im Frühjahr 1993 bei seinem unrühmlichen Abgang aus Gelsenkirchen - und flüchtete nach Florida.

Alte Seilschaften sind intakt

Vorbei. Wenn es nach Eichberg geht, gehören diese Geschichten längst der Vergangenheit an. Schalkes Ex-Präsident hat ein neues Leben begonnen. Er ist Bürgermeister des kleinen Kurortes Bad Bertrich in der Eifel und als solcher während der Fußball-WM Gastgeber des Schweizer Nationalteams. Noch bevor sich die Eidgenossen in den Play-offs der WM-Qualifikation gegen die Türkei durchgesetzt hatten, lag die Zusage auf Eichbergs Schreibtisch. Alte Bekannte aus seiner Schalker Zeit stellten den Kontakt zum Schweizer Fußball-Verband her. Eichberg selbst kann Nationaltrainer Jakob Kuhn zu seinem Freundeskreis zählen. Kaum war die Teilnahme der Schweiz besiegelt, "haben wir die Korken knallen lassen und Bad Bertrich zum 27. Kanton der Schweiz ausgerufen", sagt Eichberg. Insgesamt hatten sich sieben WM-Teilnehmer - auch Deutschlands Gruppengegner Polen - für ein Quartier in dem 800 Einwohner zählenden Ort interessiert.

Zahlen mit Schweizer Franken

Nun also kommen die Schweizer. Eichbergs Gäste sollen sich in Bad Bertrich pudelwohl fühlen. An jeder Ecke werden eidgenössische Fahnen wehen, in Bars und Restaurants können Fans, Spieler und Betreuer mit Schweizer Franken zahlen. Für mehr als eine Million Euro wurde das Ueßbachtalstadion zur modernen Trainingsanlage umgebaut. Eichberg selbst verlässt für die Zeit der WM sein Bürgermeister-Büro. Dort bezieht der Weltfußballverband Fifa sein Quartier. Eichberg steht wieder im Rampenlicht - und er genießt es.

Eine Rückkehr ist unmöglich

Aber er bleibt Realist. An eine Rückkehr ins Bundesliga-Geschäft glaubt er nicht. "Das geht wegen meiner Vergangenheit nicht", sagt er. Zwar führte er Schalke 1991 zurück in die Bundesliga und installierte Rudi Assauer wieder als Manager. Doch mit dem Namen Eichberg verbinden alle Beteiligten auf ewig Begriffe wie Größenwahn und Prunksucht. 13 Millionen Mark investierte er in den Verein. Dennoch war der Klub alsbald völlig überschuldet. Eichberg kaufte blindlings überteuerte Spieler wie Radmilo Mihajlovic und Bent Christensen. Der Sonnenkönig sah sich auf Augenhöhe mit Bayern München, heuerte und feuerte die Trainer nach Belieben. Legendär: Weil Eichberg die Beerdigung des Schalker Spieleridols Ernst Kuzorra im Januar 1990 verpasste, ließ er die Trauerfeierlichkeiten wiederholen.

Quelle: »NEWS Frankfurt

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