Schmaler Grat zwischen Selbstbewusstsein und Größenwahn
Limonade, Trickfilme und der FC Barcelona

„Barca“-Präsident Joan Laporta will den Klub zur globalen Marke machen. Ein Weiterkommen in der Champions League am Dienstagabend in Liverpool wäre das schon sehr hilfreich.

DÜSSELDORF. Eigentlich ist Joan Laporta Anwalt, stetig aber wächst seine Lust, den Wirtschaftsunternehmer zu spielen. Schließlich ist er seit 2003 Präsident des FC Barcelona und in dieser Funktion nicht nur Oberhirte der 150 000 Mitglieder umfassenden Barca-Gemeinde, sondern auch dafür zuständig, dass diese Gemeinde weiter wächst. In modernen Zeiten bedeutet das: eine Marke zu kreieren, sie zu polieren und über fremde Märkte in die Welt hinauszutragen.

Dafür hat Laporta das Leitmotiv „Barca, mas que un club“ entwickelt. Weil das aber bis dato nur den Katalanen daheim so recht ein Begriff gewesen ist, hat sich der schneidige Vereinsvorsitzende diese Woche via „Spiegel“ an den deutschen Markt gewandt und sein „Barca, mehr als ein Klub“ referiert. Er hat über den amerikanischen Markt gesprochen, der fußballjungfräulich noch zu erobern sei, wie auch über Universitäten, die es zu gewinnen gilt nebst Baseballmannschaften, mit denen man zusammen arbeiten wolle. Schließlich, so Laporta, wünsche er sich eines Tages: „Sollte ein Außerirdischer auf der Welt landen, würde es mir gefallen, wenn das erste, was er kennen lernen würde, Coca Cola, Disney und Barca wäre.“ Die Kulturleistungen aus 2500 Jahren Zivilisationsgeschichte im Auge eines Außerirdischen: Limonade, Trickfilme und der FC Barcelona.

Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstbewusstsein und Größenwahn auf dem Laporta wandelt, selbst dann noch, wenn zwei Meisterschaften und der Europapokalsieg vergangenes Jahr den vor drei Jahren mit 400 Millionen Euro verschuldeten Gesamtverein Richtung Gewinnzone geführt haben. Für das abgelaufene Geschäftsjahr verzeichnet der FC Barcelona laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche einen Umsatz von 259,1 Millionen Euro, für das kommende Jahr erwartet Laporta eine Steigerung auf 300 Millionen Euro. Nur auf dem Rasen stimmen die Ergebnisse nicht mehr.

Was, wenn „Barca“ im dritten Jahr unter Trainer Frank Rijkaard weiter so schwankt und heute Abend noch vor dem Viertelfinale aus dem Europapokal ausscheidet? Mit einem 1:2 im Spitzenspiel gegen den neuen Tabellenführer FC Sevilla reist die Barca-Elf unter kaum Hoffnung stiftenden Vorzeichen nach Liverpool, um nicht nur das 1:2 aus dem Hinspiel in einen Gesamtsieg umzuwandeln, sondern auch, um Laportas Reisen auf fremde Märkte nicht zu gefährden.

Gut aber sieht es für Rijkaards Kicker nicht aus, und das aus einem einfachen Grund: Es gibt keinen Hinweis aus der Geschichte, dass die Aufholjagd gelingen könnte. Erst einmal haben die „Reds“ in dieser Spielzeit im Stadion an der Anfield Road verloren. Sie haben zudem sechs von sieben Europapokalspiele gegen Barcelona gewonnen.

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