Schmiergelder auf Schweizer Konten
Banken fahnden nach Fifa-Geldern

Im Korruptionsskandal bei der Fifa durchforsten auch Schweizer Banken Kundenkonten nach Schmiergeldflüssen. Einem Bericht zufolge hat ein großes Bankhaus deswegen nun erste Konten und Kreditkarten gesperrt.
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Zürich161 Seiten ist die Klageschrift der US-Justiz im Fifa-Fall dick. Bei einem Teilkomplex geht es um die Vergabe der Copa America, der Südamerika-Meisterschaft. Für 317 Millionen Dollar sicherte sich die Firma Datisa die Rechte für die Turniere 2015 bis 2023. Zusätzliche 100 Millionen Dollar sollen dafür an Schmiergeldern bezahlt worden sein.

Im Juni und September wurden Zahlungen von total 6,7 Millionen Dollar von zwei Sportmarketing-Firmen via US-Banken angewiesen, die als Kredit auf Konten bei Julius Bär gutgeschrieben wurden. Die Konten gehörten der Sport-Rechte Firma- FPT-Sports, die wiederum dem Argentinier Alejandro Burzaco gehören, einem der Beschuldigten in dem US-Verfahren gegen die Fifa. Ebenfalls im Juni 2013 ging eine Zahlung von fünf Millionen Dollar von der Sportrechte-Firma Traffic, einem Datisa-Aktionär, auf einem Konto der Cross Trading bei dem Schweizer Ableger der israelischen Hapoalim Bank ein.

Von den Konten in der Schweiz wurden dann laut Anklage Schmiergelder gezahlt - unter anderem an Rafael Esquivel, dem Präsidenten des venezuelischen Fußballverbandes, ebenfalls einer der Angeklagten. Er besaß ein Konto bei der UBS.

Nach Angaben von Julius Bär hat die Bank eine interne Untersuchung zu den Vorgängen angestoßen. Zu Einzelheiten wollte ein Bank-Sprecher keine Angaben machen. UBS will zum Fifa-Fall überhaupt nichts sagen.

Laut Finanzkreisen würden die internen Audit- und Compliance-Experten sofort alle Zahlungsströme unter die Lupe nehmen, wenn in Anklageschriften der Name eines Bankkunden auftaucht. Verdächtige Zahlungen würden dann an die Geldwäsche-Meldestelle der Schweiz übermittelt. Die internen Bank-Ermittler sind offenbar fündig geworden: Laut Bundesanwalt Michael Lauber hätten Schweizer Banken bereits 53 verdächtige Zahlungen gemeldet.

Laut „Inside Paradeplatz“ hat Julius Bär nun alle Konten und Karten von Verdächtigten im Fifa-Verfahren gesperrt. Dazu machte die Bank keine Angaben. Aus Finanzkreisen heißt es, dass eine Konto-Sperrung bei solchen Verfahren durchaus üblich sei.

Aus Ermittlungstaktischen Gründen könnten die Behörden aber auch verlangen, die Konten aktiv zu halten, um dann auf neue Spuren zu kommen, heißt es. Ob dies der Fall ist, ist nicht bekannt. Die Schweizer Bundesanwaltschaft wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Bundesanwalt Lauber hatte die Kooperation der Schweizer Banken diese Woche aber ausdrücklich gelobt. Kein Wunder; gerade die international bekannten Adressen UBS und Julius Bär haben überhaupt keine Lust, in den Fifa-Sumpf hineingezogen zu werden.

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