Schub für Konsumbranche
WM-Fieber an der Börse

König Fußball hat Chancen, den deutschen Konsum auf Trab zu bringen. Unternehmen, deren Geschäft mit der WM in Deutschland zu tun habe, dürften 2006 auf steigenden Absatz hoffen, erwarten Analysten.

FRANKFURT. Ohnehin scheint sich die Stimmung der deutschen Verbraucher aufzuhellen, wie beispielsweise der überraschend gestiegene Konsumklimaindex der Marktforscher GfK zuletzt zeigte. Allerdings muss sich nach Ansicht der Top-Sektor-Analysten noch erweisen, wie viel die Bürger wirklich kaufen. So bewertet DZ-Bank-Mann Herbert Sturm, der in den Ranglisten von Starmine weit vorn liegt (siehe "Die besten Branchen-Analysten"), die Aussichten für die deutsche Konsumbranche wegen der anhaltend hohen Abgabelasten für die Verbraucher insgesamt weiterhin "gedämpft zuversichtlich".

Da komme die WM gerade recht, meint Mark Josefson von Kepler Equities. "Drei bis fünf Millionen zusätzlich erwartete Übernachtungen durch WM-Besucher bringen zusätzlichen Absatz für den Einzelhandel und heben die Stimmung", sagt er. Als weitere positive Effekte für Einzelhändler 2006 nennt Andreas Inderst von ABN Amro mögliche Zusatzverkäufe etwa bei Haushaltsgeräten auf Grund der für 2007 geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung.

Vom Fußball-Fieber dürften in erster Linie natürlich die Sportartikel-Hersteller Adidas und Puma profitieren. Adidas gilt dabei als am besten aufgestellt. Vor allem der Adidas-Konzern, der die WM-Mitfavoriten Frankreich, Argentinien und Deutschland ausrüstet und auch den offiziellen WM-Ball "Teamgeist" herstellt, hat DZ-Analyst Sturm zufolge gute Aussichten - auch an der Börse: Für ihn ist die Aktie ein "strong buy", zumal Adidas mittlerweile nur noch ein Zehntel seines Umsatzes auf dem deutschen Markt erzielt und sich der Anteil durch die Übernahme des Konkurrenten Reebok noch verringert.

Für Puma gibt Sturm immerhin noch ein "weak buy" als Anlage-Empfehlung aus. Andreas Inderst von ABN Amro rät ebenfalls zum Kauf von Puma-Titeln, da ihn die neue Strategie mit aggressivem Marketing ebenso überzeugt wie das Sponsoring der meisten WM-Teams wie auch der Schweiz und Österreichs bei der EM 2008. Für Matthias Gmeinwieser von der BayernLB ist Puma hingegen bereits leicht überbewertet, er rät zum Verkauf der Aktie.

Auf der WM-Welle wollen auch die Kaufhäuser und Handelsketten reiten. Gerade dem angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzern könne die Lizenz zum Verkauf offiziellen WM-Zubehörs helfen, meint Josefson. Wegen der Restrukturierungsbemühungen und guter Bilanznachrichten rät er zum Kauf von Karstadt-Aktien. Andere Analysten sind vorsichtiger, die Mehrheit stuft die Titel mit "halten" ein. Über mehrere Schienen setzt der Konkurrent Metro auf die WM. Die Während in den Kaufhof-Ketten vor allem Sport- und Fanartikel über die Theke gehen, dürften die Elektronikmärkte Saturn und Metro von der verstärkten Nachfrage nach Fernsehgeräten profitieren. Da die Metro-Aktie schon gut gelaufen ist, stuft Gmeinwieser den Wert aber nur mit "halten" ein.

Selbst Modehersteller wie Hugo Boss könnten einen leichten Aufschwung durch die WM spüren, da "Anzüge, Hemden und T-Shirts von Boss in Deutschland oft weniger als im Ausland kosten", meint Inderst. Generell glänze Boss mit einer "phantastischen Story", sagt Sturm. Die Firma habe ihren Marktanteil zuletzt selbst im konsumschwachen Deutschland steigern können, und die Damenkollektion "Boss Woman" komme gut voran. Für ihn ist die Aktie ein "strong buy" mit Kursziel 34Euro. Andere wie Inderst und Gmeinwieser raten zum "Halten", da der Wert nicht mehr billig sei.

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