Schüchtern im feinen Zwirn
Schon vor dem Prozess verloren

dpa BERLIN. Im Schiedsrichter-Hemd hatte Robert Hoyzer stets das Bad in der Menge genossen, im feinen schwarzen Anzug wirkte er eher schüchtern.

Abseits der wartenden Journalisten-Schar, die beim Prozess-Auftakt um manipulierte Fußballspiele und Sportwetten in Berlin jeden Wimpernschlag des ehemaligen Referees beobachtete, stand er mit zwei dicken Aktenordnern unter dem Arm vor Saal 500 beim Landgericht. Seine eigenen Verfehlungen haben das Leben des 26-Jährigen völlig verändert - und ihm offenbar eine neue Sicht auf viele Dinge gegeben. „Vor allem habe ich gelernt, dass Geld in vielen Punkten des Lebens gar nicht so wichtig ist“, sagte der Angeklagte Hoyzer in einem der zahlreichen Interviews, die er vor dem Start in den Prozess-Marathon gegeben hatte.

Bis zum Jahresende muss sich Hoyzer, der dem deutschen Fußball kurz vor der WM im eigenen Land den großen Skandal bescherte, zwei Mal wöchentlich auf den Weg von seiner Wohnung in Berlin-Spandau nach Moabit begeben. Vor Gericht sollen alle Einzelheiten zu Tage kommen. Ohne große Regungen verfolgte der Betrugs-Referee das Verlesen der Anklageschrift, machte sich kurz Notizen, suchte nur selten den Blickkontakt zu seinen Anwälten Thomas Hermes und Cato Dill. „Ich kann es nach wie vor nicht nachvollziehen, warum ich das gemacht habe“, hatte Hoyzer, der sich mit frisch gestyltem Haar präsentierte, zugegeben. In elf Fällen, so die Staatsanwaltschaft, soll der Berliner auf dem Fußballplatz betrogen haben oder in Manipulationen verstrickt sein. Es drohen ein bis zehn Jahre Haft.

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