Schweden 1958
Brasiliens Zauberer tanzen alle aus

In Schweden war die Sache wirklich klar. Noch nie in der 28-jährigen Geschichte der Weltmeisterschaft hatte sich ein Team den Titel so ungefährdet und so verdient geholt wie Brasilien, das dem Rest der Fußball-Welt in allen Belangen überlegen war.

dpa HAMBURG. Die Mannschaft vom Zuckerhut kam mit Zauberern und Tänzern wie Didi, Zito oder Garrincha, mit einem 17-jährigen Wunderknaben namens Pele und einer Taktik, die mit einem Schlag das vertraute WM-System mit Außenläufer und Halbstürmer ablöste. Nach Schweden spielte alle Welt das brasilianische 4-2-4-System, das später, weil es andernorts an Stürmern wie Vava, Zagalo, Pele und Garrincha mangelte, zu einem 4-3-3 und schließlich zu einem 4-4-2 wurde.

Nachdem die Brasilianer durch ihre Gruppe förmlich getanzt waren, erwies sich im Viertelfinale Wales als harte Nuss. Im Halbfinale waren die - für europäische Maßstäbe - brillanten Franzosen ebenso wenig ein ernsthafter Gegner wie Schweden im Finale. Beide wurden 5:2 abgefertigt. Vava, Pele (je zwei) und Zagalo waren die Torschützen beim bis heute höchsten Endspielsieg der WM-Geschichte.

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Und Titelverteidiger Deutschland? Aus der Elf, die vier Jahre zuvor Ungarn geschlagen hatte, waren nur Fritz Walter, Rahn, Schäfer und Eckel dabei. Um sie herum hatte Sepp Herberger eine Mannschaft geformt, die nach einer Serie herber Niederlagen wieder gehobenes Mittelmaß darstellte und deren Hoffnungen auf der Schusskraft von Helmut Rahn und einem jungen Hamburger namens Uwe Seeler ruhten. Die Hoffnungen waren berechtigt. Rahn (zwei) und Seeler schossen im ersten Gruppenspiel das 3:1 gegen Argentinien heraus. Dann holten Rahn und Schäfer einen 0:2-Rückstand gegen die CSSR auf, das Tor ins Viertelfinale öffnete Seeler. Im dritten Gruppenspiel, als die Deutschen an Nordirlands Torwart Harry Gregg verzweifelten, gelang dem Hamburger das 2:2 - zum 1:1 hatte Rahn ausgeglichen.

Wie vier Jahre zuvor hieß der Gegner in der Runde der letzten Acht Jugoslawien. Und wieder war es Rahn, der das entscheidende Tor erzielte. Im Göteborger Halbfinale war durch ein 1:3 gegen Gastgeber Schweden Endstation. Dabei wurde Verteidiger Erich "Hammer" Juskowiak von Kurre Hamrin derart gepeinigt, dass er sich in der 55. Minute zu einem Revanchefoul hinreißen ließ und vom Platz flog. Auf der anderen Seite beharkte Parling Fritz Walter gnadenlos. Der deutsche Spielmacher beendete mit seinem 61. Länderspiel seine internationale Laufbahn. Ohne ihn sowie Seeler, Eckel und Juskowiak gab es im Spiel um Platz drei eine deftige 3:6-Niederlage gegen Frankreich.

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