Schweden kommt sensationell zurück
Deutschland verspielt Vier-Tore-Vorsprung

Erst gezaubert, dann die ganz große Ernüchterung: Das Team von Joachim Löw hat auf seinem Weg zur WM 2014 eine gefühlte Niederlage hinnehmen müssen und einen haushohen Vorsprung leichtfertig verspielt.
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BerlinUnfassbar, so etwas gab es noch nie: Nach einer Galastunde hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden noch einen 4:0-Vorsprung verschenkt. Im Hochgefühl von 60 brillanten Minuten leistete sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Dienstag in Berlin in der zweiten Halbzeit gleich mehrere unglaubliche Abwehrschnitzer und kassierte noch vier Gegentore. Eine so deutliche Führung hatte eine deutsche Elf noch nie in der Länderspielgeschichte verspielt. So reichten die Tore von Miroslav Klose (8. Minute/15.), dem jetzt nur noch ein Treffer zum nationalen Rekord von Gerd Müller fehlt, sowie Per Mertesacker (39.) und Mesut Özil (56.) nur zu einem 4:4 (3:0).

Mit nun 10 Punkten bleibt die DFB-Auswahl in der WM-Qualifikationsgruppe C Spitzenreiter. Die Serie von 13 Siegen in Qualifikationsspielen ist jedoch gerissen. Dafür sorgten vor 72 369 Zuschauern im Olympiastadion Superstar Zlatan Ibrahimovic (62.), Mikael Lustig (64.), Johan Elmander (76.) und Rasmus Elm (90.+3) mit den Toren für die Schweden.

„Dass wir uns so aus dem Rhythmus bringen lassen, hätte ich auch nicht für möglich gehalten. Wir haben alles vermissen lassen“, befand Coach Löw. In der Kabine sei es „totenstill“ gewesen, alle seien sprachlos, berichtete der Bundestrainer. „Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren“, urteilte Kapitän Philipp Lahm ernüchtert. Bastian Schweinsteiger fand es „unerklärlich. Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte der Bayern-Profi und meinte: „Jeder hat ein Stück zu wenig gemacht.“ Toni Kroos stellte fest: „Dafür gibt es keine Ausreden.“

Die Schweden konnten es auch kaum fassen. „Als Spieler ist das eine der allergrößten Sachen, die ich erlebt habe“, bekannte Ibrahimovic. „Aus der Halbzeit sind bei uns elf andere Spieler gekommen.“ Nationaltrainer Erik Hamrén schwärmte: „Wir haben eine Wahnsinnsmoral gezeigt. Ich bin stolz auf meine Spieler.“

Vor der Partie hatte der Bundestrainer zwei Umstellungen vornehmen müssen, weil Sami Khedira wegen einer Oberschenkelblessur ebenso passen musste wie der am linken Fuß verletzte Marcel Schmelzer. Für Khedira rückte Kroos ins zentrale Mittelfeld neben Schweinsteiger. Für Schmelzer spielte Lahm, der nach seiner Gelbsperre wieder dabei war, einmal mehr auf der linken statt auf der rechten Abwehrseite.

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  • @Luigi2606

    Auch jetzt gebe ich Ihnen in Teilen wieder recht. Dennoch sehe ich schon auch das Problem zum Teil zumindest im Trainer und seinem Stab. Das Trainergespann duldet offenbar keine "Querulanten". Das führt dazu, dass keiner "auf den Tisch haut". Man hat schon den Eindruck, dass in der NM so eine "Wir-haben-uns-alle-lieb-Mentalität" herrscht und gewollt ist. Das ist aber meiner Meinung nach auch gefährlich. Wir brauchen Typen, die auch den Mund aufmachen - ob das nun dem Trainer passt oder nicht. Wenn es letztlich zum gewünschten Erfolg führt, ist es richtig !

    Zum Thema Neuer noch eins: ich habe mir mal vorgestellt wie ein Oli Kahn reagiert hätte nachdem er innerhalb von wenigen Minuten 2 Gegentore bekommen hätte. Er wäre ausgeflippt und hätte seiner Abwehr "in den A...h" getreten. Der wäre da hinten getobt und hätte Zeichen gesetzt. Was kommt da von Neuer ? Nichts, gar nichts ! Da fehlt das Feuer, das Leben, der unbändige Wille "mir haut keiner mehr eine Kiste rein". Das fehlte mir auch bei der Abwehr bzw. Mittelfeld. Keiner der sich mal 'ne Gelbe Karte abholt und ein Zeichen setzt, der dagegen hält und evtl. ein taktisches Foul begeht.
    Woher kommt's ? Viell. ein Produkt der "Wir-haben-uns-alle-lieb-Mentalität ? Wo wir dann wieder (auch) beim Trainer(gespann) wären.

  • es gab keinen Trainer vor Löw (Klinsmann), der die fehlenden technischen Qualitäten aufbessern konnte.
    Das statische Spiel, welches wir in den 80er/ 90er gesehen haben, ist zum Glück weg!
    In der letzten EM haben wir aber gesehen, wie schwer sich die Mannschaft tut, wenn sich die Gegner nur hinten rein stellen - da fehlten die Konzepte - immer wieder über Außen (siehe auch FC B vs FC Chelsea) und nicht die Geduld verlieren mit noch höherem Tempo plötzlich über Innen - ja das klappt dann.

    Klopp wird als Nationaltrainer scheitern, da er eine Mannschaft über lang mit jungen Spielern aufbauen kann, aber nicht "gestandene" Profis die seit 7+ Jahren Stammspieler, Nationalspieler und schon "gereift" sind.

    Siehe auch Magath. Hierzu gab es einen interessanten Artikel in "11 Freunde" soweit ich erinnere, wo dieses Thema aufgegriffen wurde, weshalb Klopp nicht zum FC B gegangen ist - weil es schon "erfahrene und gereifte" Spieler sind.

    Löws Vorteil ist, dass er sich die besten und talentiertesten herauspicken kann und mit diesen Spielern arbeitet. Es sind schon "vollendete" Spieler, wo er noch mehr herausgekitzelt hat und diese noch einen Reifeschritt weiterbringt.

    Nun fehlt dhalt einer, der mal den Mund innerhalb der Mannschaft aufmacht, das muß nicht der Trainer sein, sondern der/ die Leitfiguren auf dem Platz und den Kameraden in den Hintern tritt.

    Ich erinnerne nur an FC Bayern - Man U Championsleague Finale 1:2 - FC B kämpft seitdem bis zur letzten Minute, weil sie wissen, was alles passieren kann - und da gebe ich Scholl recht, daß diese Spieler, die nun das 4:4 mitgemacht haben es nie wieder dazu kommen lassen, daß so ein Spiel aus der Hand gegeben wird.

  • Genau richtig! Es fehlen die Effenbergs, Breitners...aber sowas gibt es heute einfach nicht mehr. Ballack hat seine Karriere beendet und seien wir mal ehrlich, diesen Fußball hätte er auch nie mitspielen können. Das wäre ihm viel zu schnell...Moment, es gibt doch noch solche Spieler, die den Rest der Mannschaft noch richtig mitreißen können...Aber wer will Sascha Rösler in der Nationalmannschaft sehen. ;-) Der ist ein solcher Typ. Aber leider nur ein Zweitligaspieler vom Talent her...Aber ansonsten fehlen die Alternativen. Spielerisch stark UND "Lautsprecher" gibt es kaum noch. Da kann Löw auch wieder nix für. Das Problem gibts schon in den Vereinen.
    Ein weiteres Problem ist unsere Abwehr. In welchem BuLi Team gibt es noch gute deutsche Verteidiger. Löw nimmt das beste was er kriegen kann und das ist, wenn Hummels verletzt ist, nunmal leider Boateng, Badstuber, Merte und Lahm. Die Auswahl ist zu klein.
    Bei Neuer bin ich ganz bei Ihnen. Der ist für mich auch vollkommen überschätzt. Beim Torwart haben wir eine riesen Auswahl an Spitzentypen. Adler (wieder da), Weidenfeller (nie ne Chance gehabt), Zieler, Leno, und, auch wenn er zwei schlechte Länderspiele hatte, ter Stegen. Der wäre übrigens noch einer, der wie Kahn früher spätestens nach den 4:2 die Abwehr aufgefressen hätte!!!

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