Schweden Trainer macht nach WM-Aus weiter
Lagerbäck will nicht hinschmeißen

Bei der schwedischen Nationalmannschaft herrscht nach dem WM-Aus gegen Deutschland Katerstimmung. Obwohl Trainer Lars Lagerbäck der Wind heftig ins Gesicht bläst, denkt dieser nicht über einen Abschied nach.

Am Tag nach dem WM-Aus wird die schwedische Nationalmannschaft in der Heimat mit psychologischen Tipps versorgt. "Reagiert euch im Wald ab, redet über die Pleite, oder feuert einfach ein anderes Team an", riet Trauma-Experte Björn Lagerbäck in der Zeitung Expressen. Kollege Ingalill Enbom ergänzte im Aftonbladet: "Ein verlorenes Fußballspiel ist nicht das gleiche wie tödlich zu erkranken oder arbeitslos zu werden." Geholfen haben diese Ratschläge wohl nur bedingt: Nach dem 0:2 (0:2) im WM-Achtelfinale gegen Deutschland betrauert ganz Schweden das Ende einer Epoche.

Svensson und Ljungberg erwägen Rücktritt

"Das wird noch lange wehtun", prophezeit Aftonbladet. Die Tre Kronor verfügen über einige gute junge Spieler, doch die erwarteten Rücktritte gestandener Profis werden wohl große Lücken hinterlassen. Teddy Lucic, gegen Deutschland in der 35. Minute nach der zweiten Gelben Karte des Feldes verwiesen, wird seine Länderspielkarriere definitiv beenden. Star-Stürmer Henrik Larsson wird zumindest keine WM mehr spielen, Größen wie Anders Svensson, Fredrik Ljungberg und Niclas Alexandersson überlegen noch.

Am heißesten diskutiert wird jedoch die Zukunft von Trainer Lars Lagerbäck. "Tritt zurück", fordert der Expressen an der Spitze zahlreicher Kritiker. "Er ist ein kompetenter Taktiker, aber Feigheit, Vorsicht und Schwäche plagen seine Mannschaft schon sehr lange", schreibt Aftonbladet. Die schnellen Gegentore durch Lukas Podolski (4. und 12.) lasten die Medien alleine dem Coach an, in einer Internetumfrage fordern über 70 Prozent der Fans seinen Kopf.

"Noch nie vertragsbrüchig geworden"

"Wir werden die WM analysieren, wenn wir wieder zu Hause sind", sagte Verbandschef Lars-Aake Lagrell vor der Heimreise am Sonntag. Die Kritik nur an Lagerbäck festzumachen, hält er für "zu einfach". Während die Presse in Jonas Thern bereits einen der WM-Helden von 1994 zum möglichen Nachfolger aufbaut, denkt Lagerbäck über seinen Abschied nicht nach. "Ich habe noch einen Kontrakt bis 2008 und bin noch nie vertragsbrüchig geworden", sagte er.

Unterstützung erhält Lagerbäck aus der Mannschaft. "Wenn man bedenkt, dass wir nur neun Mill. Leute sind, hat er Fantastisches geleistet. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Schweden unter die letzten 16 einer WM kommt", sagte Stürmer Zlatan Ibrahimovic: "Er muss weitermachen."

"Wir haben einen guten Nachwuchs"

Um die Zukunft ist weder Ibrahimovic noch Lagerbäck bange. "Wir haben einen guten Nachwuchs", sagte der Star von Juventus Turin, und der Coach ergänzte: "Es gibt viel Qualität im schwedischen Fußball. Ich glaube, dass wir trotz unserer schweren Gruppe die Qualifikation für die EM 2008 schaffen werden." Am 2. September geht es in Lettland los, danach warten Spanien, Dänemark, Nordirland, Liechtenstein und Island.

Mancher Schwede wollte so weit noch gar nicht blicken - und befasste sich lieber mit Schiedsrichter Carlos Simon. "Man wollte die Deutschen weiter haben", vermutete Co-Trainer Roland Andersson. Rot-Sünder Lucic beklagte sich über seine zweite Gelbe Karte und meinte, er sei "sehr irritiert über den Referee" gewesen. Psychologe Björn Lagerbäck hat auch für Andersson und Lucic einen Tipp parat: "Sucht bitte nicht nach Sündenböcken, das ist schlicht destruktiv."

© SID

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