Schweinsteiger in die Premier League
Europas Fußball-Krösus greift an

Die Premier League beheimatet die finanzstärksten Klubs der Welt. Dank sprudelnder TV-Einnahmen hängen die Engländer wirtschaftlich alle ab – auch die Bundesliga. Der Schweinsteiger-Wechsel ist nur ein erster Angriff.
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London Geld spielt keine Rolle. Derzeit scheint diese Maxime die englische Profifußballiga, die Premier League, zu bestimmen. Zwischen 15 und 20 Millionen Euro ließ sich Manchester United nun den Wechsel von Bastian Schweinsteiger kosten. Eine bedeutende Summe für einen 30-Jährigen, der zwar Weltmeister ist und noch auf hohem Niveau spielt, dessen körperlich aufreibende Spielweise aber auch regelmäßig zu längeren Verletzungspausen führt. Nach der kommenden Saison wäre er zudem vertragslos gewesen. Ein Bundesligist hätte das Geld wahrscheinlich nicht ausgegeben. Und auch bei Real Madrid oder dem FC Barcelona wäre man in diesen Dimensionen zurückhaltender gewesen. Doch nicht in der Premier League, dem Fußball-Krösus Europas.

Die Frage, ob sich die hohen Ausgaben langfristig rentieren, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten. Die Aktie von Manchester United gibt dem Investitionskurs zunächst Recht. Nach einer enttäuschenden Saison spekuliert der Markt auf Aufschwung durch den deutschen Neuzugang. Nachdem Schweinsteiger am Montag offiziell vorgestellt wurde, schnellte der Kurs um 1,8 Prozent in die Höhe.

Nicht nur United zahlt Summen, die den bisherigen Rahmen sprengen. Und nicht nur bei Schweinsteiger. 18 Millionen Euro soll der Premier-League-Meister FC Chelsea bereit sein, für Antonio Rüdiger vom VfB Stuttgart auf den Tisch zu legen. Teammanager Jose Mourinho suche einen Nachfolger für Blues-Legende John Terry – und die Wahl sei auf den deutschen Verteidiger gefallen, heißt es. Auch Roberto Firmino ist ein großartiger Fußballspieler: Wendig, trickreich, schnell und torgefährlich. Aber die kolportierten 41 Millionen Euro Ablösesumme, die Hoffenheim vom britischen Fußballclub Liverpool jüngst für den Spieler kassierte, sind nicht nur ein neuer Bundesligarekord. Sie sind auch ein klares Zeichen für die finanzielle Alleinstellung, die die britischen Fußballklubs in Europa inzwischen erlangt haben.

Schon im Winter hatte DFL-Chef Christian Seifert angesichts der Wirtschaftskraft der Briten gewarnt, die Vereine der englischen Premier League seien in der Lage, „jeden Bundesligaklub leer zu kaufen“ – vielleicht mit Ausnahme des FC Bayern. Aber auch der Rekordmeister erhält nun Offerten, die er eigentlich nicht ablehnen kann. Schweinsteigers Wechsel hat verschiedene Hintergründe. Der Mittelfeldspieler genoss unter Pep Guardiola nicht mehr das sportliche Ansehen vergangener Tage. Und United eilt nach wie vor ein legendärer Ruf voraus. Unterm Strich bleibt, dass die Engländer ein Urgestein von den Bayern losgeeist haben. Was, wenn Manchester-Trainer als nächstes Thomas Müller möchte?

„Vom Angriff aus England“ spricht bereits die „Sport-Bild“. Denn Firmino könnte nur die Spitze des Fußballschuhs sein. Die britischen Fußballclubs der Premier League, bereits heute Europas Krösusse, werden dank neuer TV-Einnahmen bald über noch mehr Geld verfügen – das sie nun auch kräftig in Deutschland investieren. So war der Deal nicht nur für Hoffenheim ein Megageschäft, das den Offensivspieler 2011 vom Figueirense FC für überschaubare vier Millionen Euro holte.

Auch über Mainz, Köln und Hannover hat die Konkurrenz von der Insel in diesem Sommer bereits ihr Füllhorn ausgeschüttet. Die kolportierten zehn Millionen für Shinji Okazaki von Leicester City füllten in Mainz weiter die Kassen, während die sieben Millionen Euro für Kevin Wimmer von Tottenham den Kölnern ebenso gelegen kamen wie den Hannoveranern die acht Millionen Euro von Stoke City für den monatelang hartnäckig torlosen Stürmer Joselu.

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