Schweizer Jungstar
Vonlanthen will sein WM-Aus nicht hinnehmen

Johan Vonlanthen lässt nichts unversucht, bei der WM doch auflaufen zu können. Der Schweizer ging mit einem eigenen Untersuchungsbefund an die Öffentlichkeit, nachdem er bereits durch Hakan Yakin ersetzt werden sollte.

Johan Vonlanthen kämpft gegen sein WM-Aus: Der Schweizer Jungstar geht dafür sogar auf Konfrontation mit seinem eigenen Fußball-Verband. Nachdem die Schweizer bereits beim Weltverband Fifa einen Antrag eingereicht hatten, Vonlanthen wegen einer Verletzung durch Hakan Yakin zu ersetzen, ging der Stürmer vom niederländischen Erstligisten NAC Breda jetzt mit einem eigenen Untersuchungsbefund an die Öffentlichkeit, der der Einschätzung der medizinischen Abteilung der Nationalelf widerspricht.

In einem Fax, das er der Nachrichtenagentur Sport-Information Zürich zukommen ließ, behauptet der am Oberschenkel verletzte Vonlanthen, er sei fit und ab sofort wieder einsatzfähig. Diese Aussage will er am Dienstag mittels einer Computer-Tomographie in Aarau belegen.

"Fit und trainingsbereit"

"Ich fühle mich fit und bin trainingsbereit. Der letzte Fitnesstest am Freitag, 2. Juni, mit Sprints und Ball hatte zum Ergebnis, dass ich absolut schmerzfrei bin", meinte Vonlanthen. Eine Verletzung liege demnach nicht mehr vor, er könne deshalb "ab sofort wieder mit der Mannschaft mittrainieren". Vonlanthens Aussagen werden von seinem privaten Arzt weitgehend unterstützt. Der Mediziner erklärte, dass der Spieler "körperlich gesund ist und ihn die Verletzung nicht mehr stört". Im Vollbesitz seiner Kräfte sei Vonlanthen aber nicht, schränkte der Arzt ein, "weil er ja einen Teil der Vorbereitung verpasst hat".

Dagegen hatten die drei Ärzte der Nationalmannschaft Vonlanthen nach eingehenden Untersuchungen und in Absprache mit neutralen Spezialisten sowie drei Physiotherapeuten des Verbandes unisono als "nicht WM-tauglich" eingestuft. Einer der Ärzte bezeichnete den Teilriss im linken Oberschenkel als eine "normalerweise langwierige Verletzung". Nationaltrainer Köbi Kuhn wollte daher Yakin nachnominieren. Den Eingang der entsprechenden Anfrage hat die Fifa bestätigt und lässt sie durch ihre medizinische Kommission prüfen.

Verband reagiert mit Missfallen

Ernst Lämmli, der Delegierte der Nationalmannschaft, reagierte mit Missfallen auf Vonlanthens Gang an die Öffentlichkeit, sieht die Angelegenheit aber gelassen. "Unsere drei Ärzte sind ja keine Nobodys. Zusammen mit den Physios waren sich alle einig, dass die Verletzung von Johan schwerwiegend ist. Wieso sollten sich gleich sechs Profis irren?", meinte Lämmli. "Unsere Beurteilung ist klar. Ich denke, die Fifa wird das gleich sehen." Der Weltverband hat bereits durch Sprecher Andreas Herren erklärt, dass für die Fifa zur Beurteilung medizinischer Fälle prinzipiell die Angaben der jeweiligen Verbandsärzte maßgebend seien.

Vom Schreiben Vonlanthens erfuhr Lämmli über Umwege. Dass der "junge Bursche" sein WM-Aus nicht wahrhaben wolle, sei bedauernswert. Am Wochenende unterhielt sich Lämmli mehrere Stunden mit dem Spieler und dessen Berater. Er bot Vonlanthen an, während der WM auf Kosten des Verbands mit einem Privatcoach und einem Physio-Therapeuten ein Aufbautraining zu absolvieren. Vonlanthen lehnte ab.

© SID

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