Schweizer müssen die Koffer packen
Ukraine gewinnt das Spiel der Nerven

Die Fußball-Nationalmannschaft der Ukraine hat sich schon bei ihrer ersten WM-Teilnahme in der Heimat unsterblich gemacht. Für die Schweizer dagegen endete das Elfmeterschießen im Achtelfinale im Desaster.

KÖLN. Oleg Blochin konnte es sich nicht mit ansehen. Als es in Köln nach 120 torlosen und langweiligen Minuten im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz zum großen Showdown kam, verschwand der Trainer der Ukraine in der Kabine. "Ich konnte das nicht aushalten. Es war zu viel für mich", berichtete der 53-jährige frühere Weltklassestürmer der UdSSR, wie er das Elfmeterschießen erlebt hatte. Was dem Trainer nicht gelang, hatten seine Spieler geschafft: Sie behielten bis auf Kapitän Schewtschenko im ersten Versuch im Gegensatz zu den jungen Eidgenossen kühlen Kopf. Nach dem dritten Treffer im vierten Versuch der Ukrainer war die Entscheidung gefallen und eine Spielertraube begrub den letzten Schützen Oleg Gusew und Torwart Alexander Schowkowski, der mit zwei gehaltenen Strafstößen gegen Streller und Carbanas bei einem Lattentreffer von Barnetta zum Helden des Abends wurde, unter sich.

Anschließend musste sich Blochin erst einmal sammeln und suchte nach Worten. Noch immer konnte er nicht so Recht fassen, dass seine Mannschaft das Viertelfinale am Samstag in Hamburg (21 Uhr) gegen Italien erreicht hatte. "Ich habe meinen Spielern vor dem Elfmeterschießen gesagt: Macht das unter euch aus, mir ist es egal. Wer schießen möchte, soll schießen." Im Moment seines größten Triumphes, der ihm und seinem Team beim WM-Debüt der Ukraine schon jetzt in der Heimat einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert hat, fühlte er aber auch mit dem Gegner. "Diese Art der Entscheidung ist wie russisches Roulette. Beide Teams waren absolut ebenbürtig, die Schweiz hätte ebenso gut als SIeger vom Platz gehen können. Aber wir hatten mehr Glück."

Der Schweizer Coach "Köbi" Kuhn verspürte nach dem für sein Team desaströsen Elfmeterschießen nur noch eine totale Leere und tiefe Enttäuschung. "Heute Morgen beim Training haben alle Spieler noch jeweils in die andere Ecke gezielt. Bei uns haben schlicht und einfach die Nerven nicht mitgespielt", trauerte der 62-Jährige der historischen Chance für die Schweizer nach, erstmals seit 1954 bei einer WM in die Runde der letzten Acht einzuziehen. Sein erstes kurzes WM-Fazit fiel dennoch positiv aus: "Wir werden diese Niederlage verarbeiten, uns schon bald an die vielen positiven Aspekte erinnern. Wir können viele Dinge mitnehmen, die dafür sorgen, dass wir für die Euro 2008 im eigenen Land noch besser gerüstet sind."

Wäre beim letzten WM-Spiel in Köln ein Schönheitspreis zu vergeben gewesen, hätte man die Auslobung allerdings eher zurückgenommen als die Auszeichnung an eine der beiden Teams zu vergeben. Denn die Elfmeterlotterie war das einzig Aufregende an diesem Fußballabend. Sowohl die Eidgenossen als auch die Osteuropäer, die eigentlich mehr Laufbereitschaft und entschlosseneres Spiel als gegen Tunesien angekündigt hatten, waren in erster Linie auf Torverhinderung aus.

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