Schwere Vorwürfe
Fifa-Vize soll mit WM-Tickets gedealt haben

Sportlich interessiert die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland kaum noch, doch das Turnier sorgt juristisch weiter für großes Aufsehen. Dem Fußball-Weltverband Fifa droht ein neuer und vor allem noch größerer Ticket-Skandal.

Auf der Exekutivkomitee-Sitzung am Freitag in Zürich soll brisantes Beweismaterial gegen den schon seit langem umstrittenen Vize-Präsident Jack Warner (Trinidad und Tobago) und dessen Sohn Daryan vorgelegt werden. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung sollen die Buchprüfer Ernst & Young belastendes Material zusammengetragen haben. Wobei Warner angeblich regen Handel mit Tausenden von Eintrittskarten während der WM 2006 getrieben haben soll.

Während der WM hatte es bereits einen Skandal um Exekutiv-Mitglied Ismail Bhamjee (Botswana) gegeben. Der Afrikaner hatte im Vorfeld der WM-Vorrundenpartie zwischen England und Trinidad und Tobago zwölf Karten zum Dreifachen des normalen Preises weiterverkauft. Bhamjee war bei der WM nach Bekanntwerden der Ticket-Affäre von der Fifa nach Hause geschickt worden und hat seinen Platz in der "Regierung" des Welt-Fußballs verloren.

730 000 Euro Gewinn durch illegale Ticketdeals

Nun scheint ein Skandal noch größeren Ausmaßes vorzuliegen. Laut SZ seien die Prüfer in ihrem Bericht vom 8. Juli an Fifa-Generalsekretär Urs Linsi zu dem Fazit gekommen, dass eine erhebliche Anzahl der von Warner georderten WM-Eintrittskarten in den "Sekundärmarkt transferiert oder wiederverkauft" worden sei. Durch die Ticketdeals soll Warner Gewinne von 730 000 Euro gemacht haben. Bhamjee hatte sich gerade einmal um 2 400 Euro bereichert und hatte dennoch gehen müssen.

"Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit dringend besprochen werden muss", sagte Gerhard Mayer-Vorfelder, Mitglied der Fifa Exekutive, am Mittwoch dem Sport-Informations-Dienst. Warner, der Chef des Kontinentalverbandes Concacaf von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik, wird ein sehr enges Verhältnis zu Fifa-Präsident Joseph S. Blatter nachgesagt. Er gilt als einer der "großen Stimmenbeschaffer" des Schweizers, der sich im Mai 2007 in Zürich zum dritten Mal als Fifa-Boss zur Wahl stellen wird.

Warner schon lange umstritten

Warner war in der Vergangenheit schon häufiger durch dubiose Geschäfte negativ aufgefallen. Allerdings hatte es trotz vieler Hinweise nie Sanktionen gegen den Mann aus Trinidad und Tobago gegeben.

Im aktuellen Fall soll Warner Tausende von Tickets für die erstmalige WM-Teilnahme seines Landes geordert und dann exklusiv über ein seiner Familie gehörendes Reisebüro verkauft haben. Dabei sollen offenbar deutlich überhöhte Preise verlangt worden sein, was laut Fifa-Anweisung verboten ist. In diesem Zusammenhang wurden offenbar von Warner und seiner Familie auch Reisepakete angeboten, die so ebenfalls von der Fifa untersagt waren.

Auf dem Fifa-Kongress in München war vor WM-Beginn die Installierung einer so genannten unabhängigen Ethik-Kommission beschlossen worden. Das neue Reglement der Ethik-Kommission wird allerdings erst am Freitag der Fifa-Exekutive zur Verabschiedung vorgelegt.

© SID

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