Sechs europäische Teams sowie Brasilien und Argentinien
Kein Aufstand der „Kleinen“

Die großen Sensationen blieben bei der WM bisher aus. Sechs Europäer sowie Brasilien und Argentinien spielen den Weltmeister aus - und vor allem die Teams aus Afrika und Asien enttäuschten auf der ganzen Linie.

Im Viertelfinale stehen sechs europäische Teams sowie Brasilien und Argentinien: Die WM in Deutschland ist ab dem Viertelfinale wieder einmal eine Europameisterschaft - mit den Südamerikanern als Farbtupfer. Afrikas Ball-Zauberer fanden vier Jahre vor ihrer ersten Heim-WM das Tor nicht, die Asiaten enttäuschten auf der ganzen Linie, und die Nord- und Mittelamerikaner waren vorwiegend Punktelieferanten. Einzig Australien sorgte mit seinem couragierten Auftritt für ein wenig Abwechslung.

Blatter enttäuscht vom Abschneiden der Afrikaner und Asiaten"

"Ich bin enttäuscht vom Abschneiden der Afrikaner und Asiaten", gab Fifa-Präsident Joseph S. Blatter zu, der vor allem mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika von den Fußballern des Schwarzen Kontinents mehr erwartet hatte. "Es fällt auf, dass sie zu viele Chancen vergeben und schlechte Torhüter haben", sagte der Chef des Weltverbandes, der sich zuletzt vehement für einen sechsten Startplatz für Afrika bei der nächsten WM eingesetzt hatte.

Werbung für dieses Ziel machten die Afrikaner nicht. Von fünf Teilnehmern erreichte lediglich Ghana die zweite Runde und schied mit dem 0:3 gegen Titelverteidiger Brasilien aus. Den zusätzlichen Platz für den Schwarzen Kontinent hat Blatter aber noch nicht abgeschrieben. "Jetzt spielen wir erstmal die WM zu Ende, und dann wird die Exekutive darüber entscheiden", sagte der Fifa-Boss.

Heinz Marotzke, ehemaliger Chef der Fifa-Entwicklungsprogramme, rechnet dagegen nicht mit einer Aufstockung des afrikanischen WM-Kontingents. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Anzahl der afrikanischen Starter beibehalten wird", sagte der frühere Trainer der Olympiamannschaften von Ghana und Nigeria im sid-Interview.

Obwohl die Elfenbeinküste, Togo, Angola und Tunesien bereits in der Vorrunde scheiterten, will der Afrika-Experte nicht von einem Debakel sprechen: "Keine afrikanische Mannschaft ist bei der WM abgeschmiert." Es sei aber teilweise zu defensiv gespielt worden, "so wurden Punkte verschenkt".

Die Afrikaner brachten es bei der WM inklusive Achtelfinale auf durchschnittlich 0,75 Punkte pro Spiel - deutlich weniger als die Großen aus Südamerika (2,07) und Europa (1,86). Noch schlechter schnitten die Asiaten (0,58) und die Nord- und Mittelamerikaner (0,46) ab. Einzig Australien als Vertreter Ozeaniens (1,00) überraschte positiv.

"Die Asiaten sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Das liegt aber auch daran, dass die meisten der asiatischen Spieler noch in der Heimat spielen", meinte Marotzke. Vor vier Jahren hatte das Bild im Viertelfinale noch ganz anders ausgesehen: Vier europäische Teams trafen auf Südkorea, Senegal, die USA und Brasilien.

Die wieder deutlichere Dominanz der großen Verbände bedauerte Blatter: "Ich finde es wirklich schade, dass Europa und Südamerika nicht mehr unter Druck gesetzt worden sind." Der Fifa-Präsident hatte sich nicht zuletzt mit dem millionenschweren Entwicklungsprogramm des Weltverbandes verstärkt für die Kleinen eingesetzt. Eine Million Dollar erhält jedes der 207 Fifa-Mitglieder alle vier Jahre aus dem Goal-Programm - die Erfolge lassen jedoch weiter auf sich warten.

Die Weltmeister Deutschland, Italien, England, Frankreich sowie Portugal und Außenseiter Ukraine bilden das europäische Kontingent im Viertelfinale, das wieder so stark ist wie 1998 und 1990. 1994 in den USA hatten sogar sieben Europäer die Runde der letzten Acht erreicht - wie schon 1982. Die beste Bilanz verzeichnete der Alte Kontinent bei der zweiten WM 1934, als alle Viertelfinalisten aus Europa kamen. Am schlechtesten schnitten die Europäer beim Debüt 1930 in Uruguay ab, als nur drei Teams unter die besten Acht kamen - allerdings auch nur vier teilnahmen.

© SID

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