Fußball
Seifert übernimmt DFL-Vorsitz von Straub

Christian Seifert wird am Freitag den Vorsitz der Geschäftsführung der DFL Deutsche Fußball Liga Gmbh übernehmen und Wilfried Straub nach insgesamt 37 Dienstjahren beerben. Straub arbeitet als Berater der Liga weiter.

Am Freitag steht ein großer Wechsel an der Spitze der Geschäftsführung der DFL Deutsche Fußball Liga Gmbh bevor. Christian Seifert (36) wird den bisherigen Vorsitzenden Wilfried Straub (66) beerben. Nach insgesamt 37 Jahren beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und später bei der DFL zieht sich Straub aus dem operativen Geschäft zurück, bleibt der Liga allerdings noch bis zum 30. Juni 2006 als Berater erhalten.

"Wir stehen am Scheideweg"

Der neue Mann, seit dem 1. Februar als Geschäftsführer Rechte, Lizenzen, Marketing für die DFL tätig und vorher Vorstandsvorsitzender der Karstadt-Quelle New Media AG, steht vor großen Herausforderungen. "Wir stehen am Scheideweg! Wir müssen die Frage beantworten, ob wir uns umsatzseitig mit dem Ausland messen: Dann müssen wir auch das tun, was das Ausland bereit ist zu tun", sagte Seifert unlängst im kicker-Interview.

Er lässt keinen Zweifel, dass dies einschneidende Veränderungen für den deutschen Profi-Fußball bedeuten würde: "Wir müssen sehr offen bereit sein, über Spieltage, Anstoßzeiten und TV-Partner nachzudenken." Bisher habe man drei wesentliche TV-Partner, zwei im frei empfangbaren Fernsehen, einen im Pay-TV. Seifert: "Im Ausland sind die Rechte zum Teil an mehrere Partner über mehrere Tage und mehrere Anstoßzeiten verteilt. Dort wird das von allen Beteiligten getragen. Das ist die Herausforderung."

Liga setzt Vertrauen in Seifert

Die Liga ist sicher, in Seifert den Richtigen gefunden zu haben. "Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass das Marketing- und Lizenzgeschäft, insbesondere im Bereich TV, für den Profifußball von existenzieller Bedeutung ist. Insofern haben wir mit Herrn Seifert einen absoluten Fachmann gefunden", erklärte Liga-Präsident Werner Hackmann.

Der Poker um die TV-Verwertung ab 2006 verspricht viel Spannung. Die Ausschreibung wird voraussichtlich im dritten Quartal angekündigt. Die Profi-Klubs erhoffen sich eine deutliche Erhöhung der TV-Gelder. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte eine Steigerung von den bislang erzielten 300 Mill. Euro auf eine halbe Milliarde Euro in den Raum gestellt. Seifert im kicker: "Der richtige Preis ist immer der, den der Markt hergibt."

Europäische Ligen sind der Bundesliga weit voraus

Eine Erhöhung der Vergütung erscheint allerdings nur möglich, wenn dem Pay-TV-Sender Premiere mehr Exklusivität eingeräumt wird. Im internationalen Vergleich hinkt die Bundesliga deutlich hinterher. Die Premier League in England erhält über 710 Mill. Euro, die italienischen und französischen Vertreter jeweils 550 Millionen. Laut einer Hochrechnung kann beispielsweise der italienische Meister in der kommenden Saison mit 111 Mill. Euro aus der nationalen TV-Vermarktung rechnen, der deutsche Champion dagegen lediglich mit 16 Mill. Euro. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young.

Günstig für die DFL ist allerdings, dass es im Gegensatz zum letzten Vertragsabschluss nach dem Aus von Kirchmedia wieder verstärkt die TV-Sender um die lukrativen TV-Rechte buhlen. Dies könnte den Preis deutlich nach oben treiben. Dies erscheint auch nötig, um auf Dauer international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Straub genießt großen Respekt

Als Berater steht Straub, der sehr großes Ansehen im deutschen Fußball genießt, noch weiter zur Verfügung. Er war der Weichensteller im DFB und der DFL. Als Beispiele seien angeführt: Umwandlung der Vereine in Kapitalgesellschaften, Ausnahmegenehmigung von Brüssel zur Erhaltung der Zentralvermarktung der Bundesliga, Verselbstständigung der Liga, Bewältigung der Kirch-Krise. Straub: "Ich habe Entwicklungen immer antizipieren wollen, ehe man von ihnen überrascht wird und durch andere geregelt bekommt."

Seinen Nachfolger Christian Seifert, der vom Aufsichtsrat eingestellt, aber von ihm mit ausgesucht wurde, will er in seiner Arbeit nicht durch Vermächtnisse einschränken. Nur eines liegt ihm noch am Herzen: "Gerade der Profifußball muss darauf achten, dass Wettbewerbsmanipulationen nicht stattfinden. Er muss hiergegen unnachgiebig bei ersten Anzeichen vorgehen. Der Fan darf nicht das Gefühl haben, dass ein Spielausgang nicht auf dem sportlichen Ergebnis, sondern auf Abmachungen und Absprachen basiert. Damit wären die Grundlagen des Profifußballs schnell zerstört."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%