Selbstmord
Robert Enke, der tragische Ausnahmetorwart

Der Selbstmord von Nationaltorwart Robert Enke ist der tragische Ende eines Sportlerlebens, das von vielen Höhen und Tiefen geprägt war - von sportlichen wie von ganz persönlichen.
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DÜSSELDORF. Martin Kind, Präsident von Bundesligist Hannover 96, wollte an diesem Dienstag eine verfahrene Situation lösen. Der findige Geschäftsmann sprach sich für die 50+1 Regel aus, wollte die Liga für Investoren öffnen und scheiterte am Votum der anderen Vereine. Dass zu diesem Zeitpunkt eine ganz andere verfahrene Situation hinter den Kulissen des niedersächsischen Vereins dabei war, in eine Tragödie umzuschlagen, konnte er nicht ahnen.

"Er war labil", sagt Martin Kind am Abend über Robert Enke, von dessen Tod er gerade erfahren hat. Labil? Wie passt das in die Teleobjektivwelt der Bundesliga? Labil. Robert Enke ist nicht der erste Profi, auf den diese Zustandsbeschreibung der Psyche anwendbar ist.

Jan Simak wäre da zu nennen oder, als bis dato wohl prominentestes Beispiel, Sebastian Deisler. Deisler, der den Absprung aus dem Geschäft gesucht, bevor es ihn innerlich zerrissen hat. Als Außenstehender lassen sich die Belastungen nur erahnen, die die Spieler ertragen müssen. Belastungen, die so groß sind, dass sie die Erfolge überwiegen. Belastungen, die so groß sind, dass sie jemanden dazu bringen, sich von dem zurückzuziehen, was er am besten kann. Belastungen, die auch einen Nationaltorhüter in den Suizid treiben.

"Ich weiß nicht, warum es passiert ist und wie es so weit kommen konnte", erklärt Kind weiter. Er wisse nur, es habe nichts mit Fußball zu tun. Robert Enkes persönliches Drama findet tatsächlich außerhalb des Platzes statt. Aber nicht ausschließlich.

Als Talent kommt der Jenaer von Carl Zeiss zu Borussia Mönchengladbach. Er mausert sich vom Bankdrücker zum Stammtorhüter, avanciert zur Zukunftshoffnung zwischen den Pfosten. Gute Leistungen verhindern den Abstieg 1999 nicht. Der Keeper will kein Mittelmaß, wagt den Sprung auf die große Bühne, wechselt zu Benfica Lissabon. Unter Jupp Heynckes wird er Mannschaftskapitän, ist Leistungsträger. Aber die Portugiesen bleiben hinter den Erwartungen zurück, Enkes Titelträume bleiben unerfüllt. Mehr noch: Unter Erich Ribbeck erstmals in den Kader der A-Nationalmannschaft berufen, bleiben weitere Nominierungen aus. Der Ausnahmetorwart drängt mit aller Macht zurück ins Rampenlicht und schafft, wovon viele Fußballer nur träumen können: Er erhält einen Vertrag beim FC Barcelona. Eigentlich ein Traum. Eigentlich.

Enkes Wechsel nach Spanien leitet das Drama ein. Kaum Einsätze, katastrophale Fehler, Häme, die sich seitens der Sportpresse in Kübeln über ihn ergießt. Der Mittzwanziger lernt die Kehrseite des Medaille kennen. Die Seite, die schon die Deislers und Simaks dieser Welt von der Bühne jagte.

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  • Mein aufrichtiges beileid an Robert Enkes Frau.

    Was sollten wir aus seinem Freitod mitnehmen?
    Vielleicht dass auch Menschen, die nicht immer Sieger sind, doch Menschen sind, die in unserer Gesellschaft einen Platz haben müssen.
    Und vielleicht mal etwas weg, von der Oberflächlichkeit, die die meisten von uns gegenüber ihren Mitmenschen an den Tag legen.
    Es gibt nicht nur Gewinner, auch die, die mal nicht das Glück auf ihrer Seite haben, müssen ihren Platz haben dürfen!
    und das ist nicht nur im Sport so!!

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