Selbstvermarktung
Bundesliga baut sich ein TV-Labor

Mit einem Archiv-Kanal im Internet will die Deutsche Fußball Liga historische Spiele bald online abrufbar machen. Der Nostalgie-Kanal könnte nur das Laboratorium für einen Sender sein, über den der Verband auch seine aktuellen Spiele selbst vermarktet.

MÜNCHEN. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) treibt ihre langfristigen Fernsehpläne voran. Bis ins Detail hat der Verband der 36 Profiklubs der ersten und zweiten Liga die Gründung eines Fußball-Senders vorbereitet, der sich aus dem Bundesliga-Archiv speist. Doch der DFL geht es um mehr als nur einen bescheidenen Bezahlsender mit alten Spielen. Der geplante Fußball-History-Channel ist offenbar nur das Laboratorium für einen Sender, der künftig auch aktuelle Partien zeigen soll. „Die DFL läuft sich warm, um einen eigenen Kanal mit Live-Spielen zu gründen“, sagt ein Fernsehmanager, der die Liga seit Jahren kennt. „Der Bezahlsender ist nichts anderes als ein Testlauf.“

Die Branche geht davon aus, dass der ehrgeizige DFL-Chef Christian Seifert mittelfristig ambitionierte Fernsehpläne hat. „Seifert und die DFL wollen die gesamte Wertschöpfungskette haben. Dazu gehört eben Fernsehen“, sagt ein TV-Manager eines ausländischen Medienkonzerns.

Seifert kennt das TV-Geschäft aus dem Effeff. Bevor er zur Liga kam, war er in der damaligen Kirch-Gruppe und beim Musiksender MTV aktiv. Bereits im vergangenen Jahr hatte er Pläne für einen eigenen Bundesliga-Kanal. Am Ende musste er darauf aber aus kartellrechtlichen Gründen verzichten.

In der Branche wird erwartet, dass die DFL ihre Verträge ab dem Jahr 2013 mit Partnern wie beispielsweise dem Kabelkonzern Unitymedia und Kabel Deutschland (KDG) abschließen wird. Die DFL selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Bezahlsender Sky (früher Premiere) zeigt sich vom Projekt eines Bundesliga-History-Channels der DFL nicht überrascht. „Das ist ein normaler Vorgang der modernen Medienstrategie eines Rechteinhabers“, sagte gestern ein Konzernsprecher in Unterföhring.

Bis zum Sommer 2013 sind die Verhältnisse allerdings klar geregelt. Der Bezahlsender Sky und die Deutsche Telekom mit ihren Internetfernsehen „Liga total“ zeigen alle 612 der ersten und zweiten Bundesliga live. Der Fußball ist für Sky ein teures Vergnügen. Das Tochterunternehmens des Medienriesen News Corp. von Rupert Murdoch hatte die Live-Rechte an der Fußball-Bundesliga in der laufenden Saison für einen Rekordpreis von 225 Mio. Euro erworben.

Dem geplanten Fußball-History-Channel werden unterdessen nur geringe Marktchancen eingeräumt. „Das Potenzial eines Bundesliga-Kanals, der nur mit Archiv-Material bestückt wird, liegt bei nahezu null“, prognostiziert ein Sportfernseh-Experte in München, der ungenannt bleiben wollte.

Auch andere Marktexperten gehen davon aus, dass ein frei empfangbarer Sender mit alten Partien der Bundesliga und des Nationalteams nur auf geringes Interesse stößt. Sender wie das Deutsche Sportfernsehen (DSF) hatten in der Vergangenheit bereits versucht, mit Archivmaterial preiswert Programm zu machen – und sind dabei gescheitert. Die Fernsehtochter des Medienkonzerns Constantin Medien, an dem der Rechtehändler Leo Kirch maßgeblich beteiligt ist, erzielte mit Saisonrückblicken nach eigenen Angaben im Schnitt gerade mal 150 000 Zuschauer. Dass es jedoch durchaus ein Potenzial für Fußball-Kanäle gibt, beweist der spanische Fernseh-Markt. Dort betreiben die großen Klubs wie Real Madrid und der FC Barcelona eigene Pay-TV-Kanäle.

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