„Selecao“ mit Bestmarken
Glanzlose Brasilianer brechen alle Rekorde

Gleich mehrere WM-Rekorde hat die brasilianische Selecao trotz einer mäßigen Gesamtvorstellung beim 3:0-Achtelfinalsieg über Ghana gebrochen. So löste Ronaldo etwa Gerd Müller als besten WM-Torjäger aller Zeiten ab.

Eine glänzende Leistung haben die Brasilianer beim 3:0-Achtelfinalsieg über Ghana nicht abgeliefert, im Viertelfinale stehen sie trotzdem. Das dieses für den großen WM-Favoriten nur eine Zwischenstation sein soll, ist allen bewusst. "Ich will mehr, immer mehr", so Ronaldo, der beim Erfolg über die "Black Stars" ins Netzt traf: "mehr Tore und mehr Titel."

Tore hat der 29-Jährige seit Dienstag mehr erzielt als jeder andere bei Weltmeisterschaften. Mit seinem 15. WM-Treffer trug sich der Stürmerstar in die Geschichtsbücher ein und ließ Deutschlands Stürmer-Legende Gerd Müller hinter sich. "Ich bin glücklich, dass ich diesen Rekord gebrochen habe", sagte Ronaldo, der bereits in der fünften Minute nach einem Traumpass von Kaka das 1:0 erzielte hatte: "Diese Bestmarke bestand schon so lange."

Auf dem Weg zum sechsten WM-Titel purzelten vor 65 000 Zuschauern im Dortmunder WM-Stadion gleich eine ganze Reihe Bestmarken. Dank Ronaldo, Adriano, der allerdings aus eindeutiger Abseitsposition das 200. WM-Tor der Selecao erzielte (45.+1), und Ze Roberto (84.) gelang der elfte WM-Sieg in Folge - eine Serie, die noch kein Team zuvor hinlegte.

Wieder mit Deutschland gleichgezogen

Außerdem schafften die Südamerikaner zum 15. Mal den Sprung unter die besten Acht einer Weltmeisterschaft und zogen damit wieder mit der deutschen Mannschaft gleich. Auch Kapitän Cafu schrieb WM-Historie: Der 36-Jährige setzte sich mit seinem 19. WM-Einsatz an die Spitze der brasilianischen Bestenliste und ließ zudem mit seinem 16. WM-Sieg Lothar Matthäus und Wolfgang Overath, die jeweils 15 WM-Spiele gewannen, hinter sich.

Doch so sehr auch die Rekorde glänzten, die große Fußball-Show boten Ronaldo und Co. auch gegen die Brasilianer Afrikas nicht. Effektiv wie ihr Torjäger, der gleich die erste Chance zum historischen Treffer nutzte, machten sie unspektakulär den nächsten Schritt auf dem Weg zum großen Ziel. Den schönen Fußball überließen sie den Afrikanern, die zwar mit sehenswerten Kombinationen und mutigem Offensivspiel die neutralen Zuschauer begeisterten, am Ende aber mit leeren Händen dastanden.

"Wir haben das Spiel gemacht. Aber das zählt alles nicht, wenn man kein Tor schießt", sagte Ghanas serbischer Trainer Ratomir Dujkovic, der wegen Meckerns in der Pause auf die Tribüne verwiesen wurde, ansonsten aber einen Torjäger wie Ronaldo in seinem Team vermisste. Denn während die Brasilianer ihre ersten drei Chancen gleich zu Toren nutzten, überboten sich die Afrikaner beim Auslassen bester Möglichkeiten. Der Dortmunder Matthew Amoah und sein Stürmerkollege Asamoah Gyan, der nach einer Schwalbe in der Schlussphase noch Gelb-Rot sah (81.), scheiterten immer wieder an den eigenen Nerven oder an Torhüter Dida.

Selbstbewusster Ronaldo

So blieb den Ghanaern nicht nur das erste afrikanische WM-Tor gegen den Rekordweltmeister verwehrt, sondern auch der Sprung ins Viertelfinale. Den hatten bislang für den Schwarzen Kontinent nur Kamerun 1990 und der Senegal 2002 geschafft. Am Ende blieb nur der Applaus der Fans und der Trost, den Brasilianern zumindest spielerisch in nichts nachgestanden zu haben.

"Den Sieg gibt uns keiner auf dem Silbertablett, den müssen wir uns hart erkämpfen", meinte Ronaldo und entschuldigte damit die glanzlose Vorstellung der Selecao. Dennoch gab der Torjäger den Startschuss für die Feier in der Heimat: "In Brasilien beginnt jetzt ein großes Fest. Die Leute sollen richtig feiern - bis zum nächsten Spiel."

Dann soll die Rekordjagd weitergehen. Dass er als bester WM-Torschütze aller Zeiten dabei besonders im Mittelpunkt stehen wird, ist "o fenomeno" bewusst: "Man fordert nur von dem, von dem man weiß, dass er auch die Leistung bringen kann. Und ich bringe sie." Sprach´s und verschwand mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

© SID

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