Serie A
Italiens Fußball spielt sich ins Abseits

Leere Stadien, sinkende Einnahmen und zu alte Spieler - die Klubs der Serie A verlieren in Europa den Anschluss. Etliche Vereine haben riesige Schuldenberge angehäuft und weil immer weniger Zuschauer in die Stadien kommen, muss vor allem an den Spielern gespart werden. Die einstigen Prestigeobjekte des Fussballs sind zum Sanierungsfall geworden.

MAILAND. In Italien, dem Land der Weltmeister und Starvereine, rollt der Ball nicht mehr so richtig: In der Champions League und im Uefa-Cup sind bereits alle Klubs ausgeschieden. Die Einnahmen sinken, die Stadien sind leer und die Fußballer gehören zu den ältesten im internationalen Vergleich. Und nun kommt auch noch die Finanzkrise hinzu.

Vergangene Woche wurde bekannt, dass einige Klubs der Serie B, der zweithöchsten Liga, ihren Spielern noch nicht die Gehälter der vergangenen Monate überwiesen haben. Ende März hatte Treviso nur bis September und Avellino nur bis November bezahlt. Nach Angaben der Profi-Fußballer-Gewerkschaft AIC sind die meisten Serie-B-Klubs rund drei Monate im Zahlungsrückstand.

„Das gesamte System Fußball steckt in der Krise“, sagt Fausto Panunzi, auf Sport spezialisierter Wirtschaftsprofessor der Mailänder Universität Bocconi. Die zweite Liga sei besonders hart getroffen, und der ersten Liga gehe es kaum besser.

Das größte Problem ist der Schuldenberg. Hohe Gagen und niedrige Einnahmen haben ihre Spuren hinterlassen. Vergangenes Jahr lagen etwa die Schulden von Inter Mailand bei 394 Mio. Euro, von Lazio Rom bei 120 Mio. Euro und von AS Rom bei 106,5 Mio. Euro.

Der Verkauf der Fernsehrechte bildet mit rund 900 Mio. Euro die wichtigste Einnahmequelle der Klubs in den ersten beiden Ligen. Beim Merchandising mit T-Shirts und Schals können sie das Potenzial kaum ausschöpfen, weil in Italien gefälschte Fanartikel dominieren, die es auf Wochenmärkten zu einem Viertel des Originalpreises zu kaufen gibt.

Auch die Einnahmen aus den Ticketverkäufen sind rückläufig. Während die Besucher die Stadien in Großbritannien zu 91 Prozent füllen, sind in Italien im Schnitt nur 57 Prozent der Sitzplätze besetzt.

Das liegt auch daran, dass die meisten Spielstätten veraltet sind und fast alle wichtigen Spiele im Fernsehen zu sehen sind. Anders als in anderen Ländern gehören die Stadien in Italien zudem den Gemeinden und nicht den Vereinen. „Das bedeutet, dass den Klubs Einnahmen entgehen, weil sie die Stadien nicht selbst managen können“, sagt Panunzi.

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