Serie: die WM-Sponsoren Philips steigt nach 2006 aus WM-Sponsoring aus

Nach 20 Jahren Sponsoring wird die Fußball-WM 2006 erst einmal die letzte für Philips sein. Schon bei der Weltmeisterschaft in Südafrika wird der Konkurrent Sony für Fernseher oder Videorekorder werben. Trotzdem macht Hans-Joachim Kamp, Deutschlandchef von Philips, nicht gerade einen traurigen Eindruck.

HB DÜSSELDORF. In Südafrika 2010 wird nicht mehr der niederländische Elektronikkonzern Royal Philips für Fernseher oder Videorekorder werben, sondern Konkurrent Sony. Der hat sich die neue Fifa-Sponsorkategorie "Digital Living" sogar noch bis 2014 gesichert - für ein Kontraktvolumen von 300 Mill. Dollar.

Trotzdem macht Hans-Joachim Kamp, Deutschlandchef von Philips, nicht gerade einen traurigen Eindruck. Die 2006er WM hat er schließlich im Sack und die war für ihn wie ein Sechser im Lotto - oder redet sich hier jemand die Niederlage schön?

Nein, sagt Kamp im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die 2006er WM ist für ein Unternehmen aus der Unterhaltungselektronik so bedeutend wie nur zwei andere je zuvor. Das war 1954, als das Fernsehen populär wurde und 1974, als das Farbfernsehen zum Massenmarkt wurde. 2006 ist das Jahr in dem das hochauflösende Fernsehen eingeführt wird und - ein glücklicher Zufall - gleichzeitig die Begeisterung für die teuren und schicken Flachfernseher ihren Höhepunkt erreicht.

Der Branchenverband GfU rechnet denn auch damit, dass für die TV-Hersteller die WM wie ein zweites Weihnachtsgeschäft werden könnte. Und Philips ist dann samt Fifa-Werbung in den Mediamärkten der Republik mittendrin, statt nur dabei. Soviel zum Positiven.

Zum Negativen fällt Kamp aber auch einiges ein. Die Fifa hat ihre Kategorien geändert: Was heute "Unterhaltungselektronik" ist, wird zu "Digital Living" und umfasst dann auch Dinge wie Videospiele. Und die, so Kamp "haben wir ebenso wenig wie Digital- oder Videokameras. Irgendwann stimmt das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht mehr."

Dieses Jahr hat wohl noch einmal alles gestimmt. "An Philips kommt keiner vorbei", sagt Kamp. Das stimmt im wahrsten Sinne des Wortes: Wenn der Fan ins Stadion reinkommt, hat ihm ein RFID-Chip von Philips im Ticket den Zugang gewährt. Muss er draußen bleiben, verfolgt er das Spiel auf einer der bis zu 200 qm großen Videowände von Philips und zapft sich ein Bier aus einer Philips-Zapfanlage. Falls er nach dem entscheidenden Gegentor im Stadion kollabiert, holt ihn einer von 125 Defibrillatoren von Philips - hoffenlich - wieder ins Leben zurück.

Einen zusätzlichen Schub verspricht sich Philips davon, dass die WM 2006 erstmals vollständig in hochauflösendem TV im Seitenverhältnis 16:9 ("Kinoformat") übertragen wird. Der Verkauf der Empfangsanlagen (Set-top-Boxen), die man für den Premiere-Philips-HD-Sportkanal braucht, soll Ende April anlaufen, verspricht Kamp. "Wir rechnen mit mehrenen hunderttausend Boxen bis zum Beginn der WM", fügt er hinzu und: "Unser Ziel ist die Marktführerschaft." Neben Philips wird noch eine Hand voll Hersteller wie Humax entsprechende Boxen vertreiben.

Allen DVD-Rekordern mit Festplatte liegen Gutscheine für einen WM-Ball in Originalgröße bei. Ab April bekommt der Käufer der Spitzenserie der Philips-Flat-TVs noch eine Bierzapfanlage kostenfrei dazu. Der Anbieter rechnet damit, dass die allgemeine Partylaune für Kaufenthemmung sorgt: "In den Wochen vor der WM sind die Konsumenten bereit, mehrere tausend Euro für das ?WM-Glück-bringende? TV-Gerät zu investieren", sagt Projektmanager André Lang-Herfurth. Da kann doch ein Bierchen dazu nicht schaden.

Stephan Schröder von der Marketingagentur Sport + Markt sieht die Gesamtkampagne allerdings in nicht ganz so positivem Licht. "Philips ist es bislang nicht gelungen, sich als FiFa-Partner in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern", analysiert er mit Blick auf unterdurchschnittliche Bekanntheitswerte. Er bemängelt unter anderem einen "nicht dominanten Kommunikationsmix" und dass die WM nicht in zentrale Punkte wie die TV-Spots integriert worden sei.

Das sieht Kamp anders: "Wir wollen nicht als Sponsor der WM bekannt werden. Statt dessen soll unser Engagement auf die Marke einzahlen und den Verkauf unterstützen. Und das funktioniert."

Der Absatz von Philips-Flat-TV - der TV-Gerätemarkt ist mit Abstand größtes Segment in der Konsumelektronik - sei im Januar verglichen mit dem Vorjahr um 110 Prozent gestiegen, der Markt um 85 Prozent. Das sind Resultate die zählen, so Kamp. A propos Resultate: Sein Endspiel-Tipp ist Deutschland gegen Holland. Und Deutschland werde natürlich gewinnen, sagt er augenzwinkernd, "auch wenn die Kollegen in der Konzernzentrale jetzt wieder etwas komisch gucken werden".

Die deutsche Philips GmbH setzt 4,3 Mrd. Euro um, ein Großteil davon mit Konsumelektronik. Der Konzernumsatz erreicht 30 Mrd. Euro; knapp 160 000 Menschen arbeiten bei Royal Philips.

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