Serie: Die WM-Sponsoren
WM-Sponsor mit Werbeverbot

Das Sportwettenurteil des Bundesverfassungsgerichts stellt das Engagement von Oddset als WM-Sponsor in Frage.

DÜSSELDORF. Fröstelnd zieht Franz Beckenbauer den Kragen seines Sakkos bis an den Unterkiefer. "Kalte Jahreszeit? Mein Tipp: warm spielen für die WM", riet der Kaiser auf den Plakaten für den Sportwettenanbieter Oddset.

Kalt ist es tatsächlich geworden. Ein eisiger Sturm fegt über die Branche, die einst Toto genannt wurde. Am 28. März sprach das Bundesverfassungsgericht jenes Urteil, das eigentlich Klarheit schaffen sollte, welche Art von Sportwetten in Deutschland erlaubt sind. Heraus kam ein Richterspruch, der die Branche ins Chaos warf - und Oddset sein WM-Sponsoring mächtig vergällt.

Die Situation ist komplex: Sportwetten sind in Deutschland nur dem Staat erlaubt. Dessen Lottogesellschaften gründeten Oddset als Monopolist. Doch beim deutsch-deutschen Einigungsvertrag wurden vier Lizenzen übersehen, die kurz vor dem Ende der DDR im Osten vergeben wurden. Die Lizenzinhaber sind dank ausländischer Investitionen zu den Treibern des Marktes geworden, unter ihnen auch die Nummer zwei nach Oddset: Betandwin. Alle anderen privaten Anbieter "können als rechtswidrig angesehen werden", orakelten die Richter.

Sie gaben dem Staat vor, eine klare Rechtslage zu schaffen. Bis dahin aber darf Oddset keine Werbung betreiben, die über die reine Information hinausgeht. Was bedeutet das für die Unterstützung der WM? Oddsets Marketing-Chef Wolfgang Feldner kann selbst noch nichts sagen - die interne Diskussion über die Folgen des Urteils laufen noch.

Im August 2004 erkaufte sich Oddset den Status "Nationaler Förderer". "Rund 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Fußballwetten. Da war es eine logische Überlegung, das größte Fußballereignis der Welt zu begleiten", erklärt Feldner.

Während die anderen Förderer 12,9 Mill. Euro zahlen mussten, waren die Konditionen für Oddset nach Informationen des "Spiegel" angenehmer gestaltet: "In bar sollen gerade mal 4,5 Mill. Euro in die Organisation und Durchführung des Turniers fließen. 3,5 Mill. Euro werden als ,nicht monetäre Leistungen? gutgeschrieben - beispielsweise für Werbeaufdrucke auf den Spielscheinen." Weitere 4,5 Millionen sollten helfen, "die Zusammenarbeit mit den Bundesliga-Vereinen/der DFL weiter auszubauen und zu konkretisieren.", behauptete das Magazin. Ziel: Private Anbieter aus den Stadien verdrängen. Denn die sorgen für sinkende Oddset-Umsätze und das ist nicht gut für die WM, deren Rahmenprogramm laut eines Staatsvertrags aus dem Jahr 2002 mitfinanziert werden soll durch Oddset-Gewinne.

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