Serie in Minsk gerissen
Borisov zieht den Münchenern die Zähne

Die Mannschaft von Coach Jupp Heynckes hat ihr zweites Gruppenspiel verloren. In der Offensive hatte der FCB Probleme, Chancen herauszuspielen. Die Weißrussen dagegen nutzten die Lücken in der Bayern-Defensive eiskalt.
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BorisovEs war ein gebrauchter Tag für die Bayern. Erst ärgert sich Trainer Heynckes über die Kritik von Sportdirektor Sammer an seinem Team. Dann kassieren die Münchner in Weißrussland die erste Saisonpleite, die Siegesserie der Bayern ist gerissen. Statt nach der Machtdemonstration in der Bundesliga auch in der Champions League-Gruppe an die Spitze zu stürmen, zogen die Münchner am Dienstag beim Außenseiter BATE Borissow mit 1:3 (0:1) überraschend den Kürzeren. In der Gruppe F steht der FC Bayern nun punktgleich mit dem FC Valencia (je 3) hinter Borissow (6). „Das ist eine Sensation“, urteilte BATE-Star Alexandr Hleb.

Schon vor dem Anpfiff war es bei den Bayern nicht rund gelaufen: Trainer Jupp Heynckes hatte sich verärgert über die jüngste Kritik von Sportdirektor Matthias Sammer geäußert. Dann sorgten Alexandr Pawlow (23. Minute), Witali Rodionow (78.) und Renan Bressan (90.+4) vor 24 636 Zuschauern für die Pleite - und die Tabellenführung für BATE. Der Anschluss von Franck Ribery (90.+1) kam zu spät. „Es war unheimlich schwer. Wir haben permanent Druck gemacht, aber nicht so viele Chancen herausgespielt“, erklärte Heynckes.


Die mit der makellosen Bilanz von acht Saisonsiegen nach Weißrussland gereisten Bayern zeigten sich auch in Minsk von Beginn an überlegen, fanden aber gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber keine Mittel. Toni Kroos hätte München im altehrwürdigen Dinamo-Stadion in die Vorhand bringen müssen, war schon an Keeper Andrej Gorbunow vorbei, traf aber nur den linken Pfosten (13.). „In solchen Spielen musst du in Führung gehen“, kritisierte Heynckes. „Die Jungs von BATA haben hinten dicht gemacht und gefährlich gekontert“, meinte Torhüter Manuel Neuer.

Bayern ließ sich von einem Schnellangriff überrumpeln: Nationalverteidiger Holger Badstuber verhinderte die Eingabe nicht - und in der Mitte acht Meter vor dem Bayern-Gehäuse stand Pawlow total blank. Borissow hatte schon das erste Spiel in der Gruppe F gegen beim OSC Lille mit 3:1 für sich entschieden. Der deutsche Rekordmeister reagierte mit noch mehr Dominanz. Die Kopfbälle von Thomas Müller und Mario Mandzukic (25.) parierte aber Gorbunow.


Sportdirektor Sammer durfte sich zur Halbzeit mit seiner öffentlichen Warnung, keine Genügsamkeit eintreten zu lassen, bestätigt fühlen. Heynckes hatte sich noch direkt vor dem Anpfiff gegen die von Sammer an seinem Team geäußerte Kritik verwahrt: „Mit der Form, der Art und Weise war ich nicht einverstanden. Das habe ich ihm auch gesagt.“ Kritik müsse immer konstruktiv, angemessen und nicht übertrieben sein, betonte der Münchner Chefcoach und betonte: „Ich finde, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern.“ Aber mit der Niederlage hätten Sammers Äußerungen „gar nichts zu tun“.

Heynckes ließ Bastian Schweinsteiger auch nach dem Wechsel weiter auf der Bank. Der sich seiner Bestform nähernde Nationalspieler habe in der neuen Saison schon viele Spiele gemacht, „die Pause kommt genau richtig“, begründete der Chefcoach seine Maßnahme. Neben Luiz Gustavo organisierte 40-Millionen-Mann Javi Martinez im zentralen Mittelfeld das Bayern-Spiel. Lücken fand er nicht.


Bei den wenigen Gegenzügen offenbarten die Münchner erschreckende Unkonzentriertheiten. Edgar Oletschowitsch wurde von Ex-Bundesligaprofi Aleksandr Hleb mustergültig freigespielt - Neuer bekam gerade noch so die Finger an den Ball (55.). Rodionow (61.) und Pawlow (61.) vergaben aus besten Positionen die Entscheidung für die immer mutiger konternden Weißrussen, die später Bressan schaffte.

Eigentlich hatte Sportdirektor Sammer den „Vorgang“ - die Kritik an den Münchner Profis - als „lange abgeschlossen“ erklärt. Bei ihren zweiten Champions-League-Einsatz aber verstärkten Lahm und Co. Sammers Bedenken. Erst in der Schlussphase machten die Gäste mehr Druck. Ein Schuss von Ribery wurde von Gorbunow an die Latte gelenkt (83.), dann traf der Franzose. Es nutzte nichts mehr.

 

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • na endlich, wurde dem fragilen Müncher Mannschaftsgefüge die Grenzen aufgezeigt und dies von einem "Amateurverein".
    Oder der blutleere Auftritt einer Mannschaft ohne Teamgeist.

    Die Abwehr ist schwach besetzt, Badstuber, Dante, Boateng, genügen leider nicht internationalen Ansprüchen.
    Das Mittelfeld ist auch nicht gerade dafür bekannt in brenzligen Situationen ein Spiel "umbiegen" zu können. (Kroos ist bisher durch "Pomadigkeit" aufgefallen, im Training muß er Wunderdinge zeigen, denn aufgrund der Eindrücke im Spiel läßt sich seine Aufstellung nicht rechtfertigen) Schweini ist von seiner Bestform meilenweit entfernt und Martinez benötigt sicher noch Zeit. Müller fängt sich langsam wieder.
    Ribery alleine entscheidet kein Spiel. Un der Strum ist in den entscheidenden Phasen nicht zur Stelle da aus dem Mittelfeld nichts kommt.
    Nichts Neues bei den Bayern. Damit bleibt nur das Fazit, Sammer hatte Recht und Heynckes hat sich strategisch betrachtet in eine schlechte Position gebracht in dem er die Kritik von Sammer öffentlich gekontert hat und eines besseren belehrt wurde.

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