Fußball
Sforza und FCK gehen getrennte Wege

Der 1. FC Kaiserslautern hat sich mit sofortiger Wirkung von Ciriaco Sforza getrennt. Grund für die Auflösung des Vertrages sind unüberbrückbare Differenzen zwischen dem 35-Jährigen und Trainer Michael Henke.

Ab sofort gehen Ciriaco Sforza und der 1. FC Kaiserslautern getrennte Wege. Der Bundesligist hat sich am Dienstag überraschend und mit sofortiger Wirkung von dem früheren Schweizer Nationalspieler getrennt. Grund für die Auflösung des bis zum Saisonende laufenden Vertrags sind unüberbrückbare Differenzen zwischen dem 35-Jährigen und Trainer Michael Henke. Sforza spielte mit Unterbrechungen von 1993 bis 1995, 1997 bis 2000 und nunmehr seit 2002 bei den Pfälzern.

"Nach einer anfangs sehr konstruktiven Zusammenarbeit mit Ciriaco Sforza hat er in letzter Zeit leider eine Vorgehensweise gewählt, durch die das Funktionieren einer Fußball-Mannschaft unterlaufen wird, und die von mir als Trainer in keiner Weise akzeptiert werden kann", verdeutlichte Henke seinen Standpunkt, die zu der überraschenden Vorgehensweise der Klubverantwortlichen geführt hat.

Die Trennung zwischen den Pfälzern und dem Schweizer wurde während einer Sitzung am Montagabend, an der neben Henke und Sforza auch Vorstandsboss Rene C. Jäggi und Team-Manager Olaf Marschall teilnahmen, beschlossen. Über die Modalitäten der Auflösung des Vertrags, der ursprünglich noch bis zum Saisonende lief, wollten die Beteiligten keine Auskunft geben.

Sforza bestreitet Einigung

Nicht ganz ohne Grund, denn nach Ansicht von Sforza kann von einer Trennung bislang keine Rede sein. "Mein Vertrag beim FCK läuft bis zum 30.6.2006. Es gibt bislang keine Entscheidung darüber, ob wir getrennte Wege gehen. Ich habe weder einen Auflösungsvertrag unterzeichnet noch sind Modalitäten hierzu verhandelt worden", erklärte der Profi.

Ursache für den Abschied Sforzas vom Betzenberg war ein Gespräch zwischen dem Routinier und seinem Landsmann Jäggi am Freitagabend vor dem Punktspiel gegen Borussia Dortmund (3:3). Dabei kritisierte der Mittelfeldspieler, der gegen Dortmund noch auflief, die sportliche Leitung. Diese Position bekräftigte Sforza, der in 199 Bundesligaspielen 19 Tore für den FCK erzielte und 1998 die sensationelle Meisterschaft mit dem damaligen Aufsteiger feiern konnte, auch am Montag im Beisein von Henke. Jäggi und Marschall stellten sich allerdings auf die Seite des 48 Jahre alten Trainers, der zu Saisonbeginn seinen ersten Job als verantwortlicher Coach in Lautern angetreten hat.

"Grundsätzlich bedauere ich es, dass ein so verdienter Spieler den Verein verlässt. Persönlich wünsche ich ihm alles Gute. In dieser Situation blieb dem FCK aber keine andere Alternative, um ein qualifiziertes und vertrauensvolles Zusammenarbeiten für Trainer Michael Henke zu gewährleisten und die verantwortliche Tätigkeit des Chef-Trainers in keiner Weise in Frage stellen zulassen", begründete Jäggi den Schritt des Vereins.

Sforza verteidigt sein Vorgehen

Sforza verteidigte dagegen sein Vorgehen: "Ich habe am vergangenen Freitag sowie an diesem Montag intern auf einige Missstände hingewiesen, die nach meiner Meinung die sportliche Weiterentwicklung der Mannschaft behindern. Als verantwortungsbewusster Angestellter habe ich es als meine Pflicht angesehen, konstruktive und aus meiner Sicht notwendige Kritik zu äußern, um gemeinsam auf sportliche Erfolge hinzuarbeiten."

Der Schweizer zeigte sich zudem von der Reaktion des Klubs verwundert: "Für mich war es selbstverständlich, diese Kritik nicht über die Öffentlichkeit zu äußern, zumal es hierzu eine eindeutige Anweisung des Vereins gibt, an die ich mich jederzeit gehalten habe. Der Trainer und der Verein sehen trotzdem keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit. Ich bedauere das sehr. Es war immer mein Ziel, den Verein, mit dem ich gemeinsam große Erfolge erreicht habe, nach vorn zu bringen."

Der Vertrag Sforzas war erst im Sommer des vergangenen Jahres geändert worden. Ursprünglich hatte der Schweizer, der unter anderem bei Bayern München und Inter Mailand spielte, mit der früheren Klubführung um Jürgen Friedrich vereinbart, ab Juli 2004 als Sportdirektor zu arbeiten. Mit Jäggi einigte sich Sforza dann auf eine Verlängerung seines Profi-Vertrags.

Sforza will Karriere fortsetzen

Erst zuletzt hatte der Mittelfeldspieler angekündigt, auch nach Ablauf dieser Vereinbarung seine Karriere trotz zahlreicher Verletzungen in der jüngsten Vergangenheit fortsetzen zu wollen. Sforza gelang im November des vergangenen Jahres nach einer 18-monatigen Pause auf Grund einer Achillessehnen-Verletzung ein Comeback, und er war mit guten Leistungen mitverantwortlich für den Klassenerhalt der Pfälzer.

Doch schon nach der Trennung vom früheren FCK-Coach Kurt Jara gegen Ende der vergangenen Saison beschuldigte der Österreicher den Schweizer, die Mitschuld am Ende seiner Ära am Betzenberg zu tragen. Von seiner Vergangenheit wurde Sforza zudem beim Strafprozess gegen die Ex-Klubführung eingeholt. Dort sagte er aus, im Jahr 1997 eine verdeckte Lohnzahlung in Höhe von rund 500 000 Euro erhalten zu haben. Nur eine Selbstanzeige rettete Sforza vor der juristischen Verfolgung.

© SID

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