Skandal beim Weltfußballverband
Fifa sperrt Chef des WM-Evaluierungskomitees

Für sieben Jahre: Der Weltfußballverband Fifa sperrt den Chef des WM-Evaluierungskomitees für die Weltmeisterschaften 2018 in Russland 2022 in Katar, den Chilenen Harold Mayne-Nicholls, – bislang ohne Angabe von Gründen.
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ZürichDie Fifa sperrt den ehemaligen Chef des WM-Inspektoren-Komitees der Turniere 2018 und 2022, den Chilenen Harold Mayne-Nicholls, für sieben Jahre von jeder mit Fußball verbundenen Aktivität, teilte die Fifa am Abend mit. Eine Begründung für die Strafe war auch auf Nachfrage nicht zu bekommen mit dem Verweis auf den Fifa Ethik-Code. Solange der Betroffene gegen die Sanktion noch Rechtsmittel einlegen kann, verbieten die Fifa-Regeln, dass das Ethik-Komittee Details zu dem Fall publik macht. Die rechtsprechende Kammer des Fifa-Ethik-Komitees wird vom deutschen Richter Hans-Joachim Eckert geleitet.

Harold Mayne-Nicholls war Präsident des chilenischen Fußballverbandes und leitete das Inspektoren-Team, dass die Bewerber für die WM-Turniere 2018 und 2022 unter die Lupe nahm. In seinem Bericht stufte der ehemalige Ex-Chef-Inspektor die Bewerbungen Russlands und jene von Katar als die jeweils Schwächsten ein. Bekanntlich setzte sich das Fifa-Exekutiv-Komitee bei der umstrittenen Wahl im Jahr 2010 darüber hinweg.

Die Sperre ist nun offenbar ein Ergebnis der Fifa-internen Ermittlungen zu der umstrittenen Doppel-WM-Vergabe. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ vom vergangenen November habe Mayne-Nichols in seiner Rolle als chilenischer Verbandschef nach Trainingsgelegenheiten in Katar für Nachwuchs-Spieler aus sechs Clubs gesucht; darunter waren indes auch sein Sohn und sein Neffe.

Hierüber habe er sich im Herbst 2010 mit Andreas Bleicher per Mail ausgetauscht, dem damaligen Direktor des katarischen Sportzentrums Aspire. Ferner habe sich Mayne-Nichols beim Leiter des Sportzentrums erkundigt, ob es eine Möglichkeit gäbe, einen Tennislehrer aus seinem Umfeld anzustellen.

Es ist unklar, ob allein diese Vorwürfe die Begründung dafür sind, den Chilenen sieben Jahre zu sperren. Mayne-Nichols wurden zeitweise Ambitionen auf das Fifa-Präsidentenamt nachgesagt. Bei der Wahl in diesem Mai, bei der Joseph Blatter zum fünften Mal wiedergewählt worden war, war Mayne-Nichols indes nicht angetreten.

Nachdem die USA rund ein Dutzend Fifa-Funktionäre und Sportrechte-Manager wegen Korruption angeklagt hatten, will Blatter sein Amt bei einem außerordentlichen Kongress des Fußballverbandes zur Verfügung stellen. Es wird erwartet, dass die Wahl eines neuen Präsidenten im Dezember stattfinden wird.

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