Sonderkündigungsrecht
Calmund zwingt Bayer zur Vorsorge

Im Zusammenhang mit der Finanzaffäre um seinen ehemaligen Manager Rainer Calmund überschlagen sich die Ereignisse. Während die Kölner Staatsanwaltschaft Calmund vernimmt, räumt Bayer 04 Leverkusen seinen Sponsoren bei Vertragsneuabschlüssen von April 2004 an ein Sonderkündigungsrecht ein.

HB LEVERKUSEN. "Dies haben wir aus reiner Vorsorge gemacht", bestätigte Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten, am Montag. Demnach könnten die Vertragspartner aussteigen, wenn der Club öffentlich im Zusammenhang mit Manipulationsvorwürfen genannt würde.

Die Staatsanwaltschaft Köln hat am Montag mit den Vernehmungen von Reiner Calmund begonnen. Gegen den 57 Jahre alten ehemaligen Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen wird sei Anfang März wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Am Wochenende waren zudem Manipulationsvorwürfe gegen Calmund publik gemacht worden, nachdem Anwalt Walther Graf am 9. März 2006 eine zwölfseitige Bayer-Stellungnahme der Ermittlungsbehörde zur Verfügung gestellt hatte.

Demnach habe Calmund angedeutet, dass beim Bundesligaspiel Bayer Leverkusen gegen 1860 München (3:0) am 33. Spieltag der Saison 2002/2003 "etwas gelaufen" sei. Das Nachrichten-Magazin Der Spiegel hatte in seiner Montag-Ausgabe aus dem Schriftsatz zitiert. Die Rheinländer standen damals auf einem Abstiegsplatz und benötigten unbedingt an den letzten beiden Spieltagen zwei Siege zum Klassenerhalt.

Außer bei der Partie Bayer-1860 soll es auch bei den Begegnungen zwischen Leverkusen und Arminia Bielefeld (3:1) und 1. FC Nürnberg gegen Bayer (0:1) Anhaltspunkte geben, dass es zu Manipulationen gekommen sein könnte. Der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Günther Feld, sprach von Hinweisen "mit Substanz" auf mögliche Spielbeeinflussung. Calmunds Rechtsanwalt Dr. Stefan Seitz hatte die Anschuldigungen als "absurd" zurückgewiesen. Calmund kündigte an, mit seinen Aussagen vor der Ermittlungsbehörde alle Vorwürfe zu entkräften. Feld sagte am Montag dem Sport-Informations-Dienst (sid), dass er zum Inhalt der Vernehmung keine Auskunft geben könne. Möglicherweise werden sich aber die Befragungen Calmunds über einen längeren Zeitraum hinziehen. Außer gegen Calmund wird auch gegen den Spielervermittler Volker Graul (Verdacht auf Beihilfe zur Untreue) ermittelt. Dabei geht es um den Verbleib von drei Schecks in der Gesamthöhe von 580 .000 Euro, die an Graul geflossen waren. Der Geschäftsführer des Bundesligisten Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser, hat mittlerweile den Deutschen Fußball-Bund (DFB) über den Kenntnisstand des Werksklubs in Bezug auf die Manipulationsvorwürfe gegen Ex-Manager Calmund informiert. Wie der sid erfuhr, informierte Holzhäuser den Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und-Justitiar Goetz Eilers höchstpersönlich bei einem Treffen.

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