Sorin greift Doll an
HSV und die Serie des Grauens

dpa MOSKAU. Ausgebrannt und niedergeschlagen saß Trainer Thomas Doll um ein Uhr nachts in der Lobby des Hotel „Krasnye Holmy“ in Moskau und predigte seine Durchhalteparolen. „Wir haben klasse Jungs und klasse Charaktere“, verkündete der deprimierte Fußballlehrer - und sah in fragende Gesichter. Zweieinhalb Stunden zuvor hatte der Hamburger SV die Champions-League-Partie bei ZSKA Moskau mit 0:1 (0:0) verloren und damit die Serie des Grauens auf elf Pflichtspiele ohne Sieg verlängert.

„Es ist wieder nur 'ne Niederlage“, stöhnte Doll, dessen scheinbar unbezwingbarer Optimismus an diesem Abend Schaden genommen hat. „Ich hab' mich immer noch nicht gefangen. Der Fußball-Gott hat zur Zeit kein HSV-Hemd an.“

Nach dem Fehlstart in der Bundesliga ist der HSV auch in Europas Eliteklasse auf die Nase gefallen. Nach dem 1:2 gegen den FC Arsenal und der Niederlage in Moskau sind die Hamburger Tabellenletzter in der Gruppe G und müssen ernsthaft um den Einzug ins Achtelfinale bangen. „Wir haben in letzter Zeit sehr viel Prügel einstecken müssen“, beklagte Doll. „Es ist an der Zeit, mal wieder über positive Dinge zu sprechen.“

Doch seine Jungs tun ihm den Gefallen nicht. „Der Wille ist da“, versicherte der 40 Jahre alte Trainer. Das Vermögen allerdings nicht. Doll: „Es reicht nicht. Wir müssen mehr tun.“ Die Spieler können nicht nachvollziehen, warum all jenes, was sie in der vergangenen Saison stark gemacht hat, wie weggeblasen ist. „Wir haben alles gegeben“, meinte Mehdi Mahdavikia resigniert. Kollege Bastian Reinhardt jammerte: „Spielen wir gut, gewinnen wir nicht. Spielen wir schlecht, verlieren wir.“

Ebenso ratlos ist der Sportchef. Der hat im Gegensatz zu Doll fehlende Willensqualitäten ausgemacht. „Souveränität und Selbstbewusstsein erreicht man durch Erfolgserlebnisse“, erklärte Dietmar Beiersdorfer, um dann zu gestehen: „Fehlender Siegeswille entsteht durch mangelndes Selbstvertrauen.“

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