Später Sieg der Spanier
Torres schießt Spanien ins Achtelfinale

Eine Galavorstellung allein macht noch keinen Favoriten. Da hatten die Spanier die hoch gehandelten Ukrainer mit 4:0 gedemütigt, technisch und taktisch hervorragend und schnell gespielt. Doch ein einziges Gegentor brachte die Mannschaft von Trainer Luis Aragones gegen Tunesien mehr als eine Stunde lang aus dem Konzept.

HB STUTTGART. Eine Galavorstellung allein macht noch keinen Favoriten. Da hatten die Spanier die hoch gehandelten Ukrainer mit 4:0 gedemütigt, technisch und taktisch hervorragend und schnell gespielt. Doch ein einziges Gegentor brachte die Mannschaft von Trainer Luis Aragones gestern Abend gegen Tunesien mehr als eine Stunde lang aus dem Konzept. Am Ende siegten die Spanier aber noch verdient mit 3:1 (0:1). Spanien steht damit im Achtelfinale, die Tunesier haben kaum noch Chancen, die nächste Runde zu erreichen. Auch solche Spiele muss ein Favorit gewinnen.

Bereits nach acht Minuten sorgte der Nürnberger Jaouhar Mnari für das unerwartete tunesische Führungstor: Zied Jaziri von Troyes (Frankreich) hatte Carlos Puyol vom FC Barcelona auf der rechten Seite den Ball abgejagt, im Strafraum drei Spanier ausgedribbelt und auf Mnari gepasst. Der schoss einmal - Iker Casillas von Real Madrid wehrte nach vorne ab. Mnari schoss nochmal: Tor!

Ein Schock für die Mannschaft von Trainer Luis Aragones. Er hatte der gleichen Startelelf wie im Spiel gegen die Ukraine vertraut. Doch die geriet nun völlig aus dem Konzept, nachdem sie in den ersten sieben Minuten gut begonnen hatte. Die Tunesier verlegten sich nach ihrem Führungstor auf Konter und blockierten geschickt die Abwehr und das Mittelfeld. Eine deutliche Leistungssteigerung der Elf von Trainer Roger Lemierre nach nach ihrem durchwachsenem ersten Auftritt gegen Saudi-Arabien (2:2).

Allein Standardsituationen brachten in der ersten Hälfte Gefahr für das Tor von Ali Bouamnijel von Club Africain. Getreten fast ausschließlich von Xavi. Wieder Xavi. Der Spieler, für den Trainer Luis Aragones bei der Nominierung seines WM-Kaders von den spanischen Medien so gescholten worden war. Denn der Regisseur vom FC Barcelona hatte nach einer Knieverletzung seit November 2005 vor der WM erst eine Partie durchgespielt. Doch Xavi, der gegen die Ukraine eine Weltklasse-Leistung gezeigt hatte, war auch gegen Tunesien in der ersten Hälfte der beste Spanier.

Vielleicht hätten die Südeuropäer früher zu ihrem Spiel gefunden, hätte eine dieser Standardsituationen zum Tor geführt. Doch Luis Garcia vom FC Liverpool (2.), Sergio Ramos von Real Madrid (16.), erneut Garcia (33.) Fernando Torres von Atletico Madrid (44.) und Xabi Alonso von Liverpool (45.) vergaben gute Möglichkeiten nach Vorarbeit von Xavi gleich reihenweise.

Doch mit dem Regen, der kurz vor der Pause eingesetzt hatte, und der zweiten Halbzeit fanden die Spanier langsam aber sicher besser ins Spiel. Und als sie endlich, endlich den Ausgleich geschossen hatten war auch die wackere Gegenwehr der Tunesier gebrochen. Der eingewechselte Cesc Fabregas von Arsenal London hatte aus 15 Metern geschossen, der tunesische Torwart konnte den glitschigen Ball nicht festhalten und der Madrilene Raul, der für den enttäuschenden David Villa von Valencia ins Spiel gekommen war, schoss den Abpraller oben rechts in den Winkel (72.).

Nur fünf Minuten später war dann die alte Hackordnung im internationalen Fußball wieder hergestellt. Die Spanier gingen mit 2:1 in Führung. Fabregas spielte einen brillanten Pass in den Rücken der der Abwehr auf Torres. Der umkurvte Torwart Boumnijel und schob mit dem Außenrist gekonnt ein. Da waren sie endlich wieder, die spiel- und lauffreudigen Spanier, wie wir sie aus dem ersten Spiel kannten. Sie erarbeiteten sich nun Chance um Chance gegen die Tunesier, die völlig die Kontrolle über das Spiel verloren. Den Schlusspunkt setzte Stürmer Torres per Elfmeter: Der eingewechselte Alaeddine Yahia von Saint-Etienne (Frankreich) hatte zuvor bei einer Flanke Torres am Kopfball gehindert. Der Gefoulte trat selbst an, schoss zwar nicht platziert, aber der Ball war drin.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
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