Spanien 1982: Der Skandal von Gijon

Spanien 1982
Der Skandal von Gijon

Es sollte zwei Jahre nach der Europameisterschaft die Fortsetzung der Erfolgsserie unter Bundestrainer Jupp Derwall werden. Doch die erstmals mit 24 Teams ausgetragene WM-Endrunde 1982 in Spanien wurde zur beispiellosen Talfahrt für den deutschen Fußball schlechthin.

dpa HAMBURG. Die DFB-Elite wurde Vizeweltmeister, das Ansehen aber dennoch ramponiert. Ohne Bernd Schuster und mit dem viel gepriesenen Geist von Schluchsee - schon bald in Schlucksee umbenannt - begann das Turnier gegen Algerien mit einer 1:2-Blamage. Spott und Schadenfreude begleiteten die Mannschaft bis zum 4:1 gegen die desolaten Chilenen, das Karl-Heinz Rummenigge mit drei Treffern fast allein besorgte.

Vor dem Einzug in die Finalrunde musste Österreich geschlagen werden. Die Chance zur Wiedergutmachung werde sich das Team, in dem Paul Breitner nie der erhoffte Spielgestalter wurde, nicht entgehen lassen - dachten viele und irrten gewaltig. Das 1:0 gegen den Nachbarn, der sich durch die knappe Niederlage ebenfalls für die Zwischenrunde qualifizierte, wurde "durch stille Übereinkunft von 22 sportlichen Ganoven" (der 66er Vizeweltmeister Willi Schulz) zum Skandalspiel. Die Fußball-Welt war empört. Mit Banknoten wedelnd, quittierten die Zuschauer den "Nichtangriffspakt".

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In der Zwischenrunde folgte einem torlosen Spiel gegen England und einem 2:1 gegen Spanien ein Halbfinale, das nicht nur Klasse und Rasse, sondern auch Dramatik hatte. Gegen Frankreich zeigte sich die teils verunsicherte, teils zerstrittene Derwall-Elf von ihrer besten Seite und gewann das "Drama von Sevilla" im ersten Elfmeterschießen der WM-Geschichte mit 8:7.

Nach einem 1:1 in der regulären Spielzeit glichen Rummenigge und Fischer den 3:1-Vorsprung Frankreichs in der Verlängerung aus - den entscheidenden Elfmeter verwandelte Hrubesch. Der eingewechselte Rummenigge, wegen einer Oberschenkelzerrung gehandicapt, durfte sich als Matchwinner fühlen. Der erwartet große Glanz aber ging weder von ihm noch vom Argentinier Maradona oder dem Brasilianer Zico aus - die beiden Südamerikaner scheiterten in der Zwischenrunde an Italien.

Das Trio stach ein Azzurri aus, der durch Gewandtheit und gerissenes Zweikampfverhalten begeisterte: Paolo Rossi, der darüber hinaus erfolgreichster Torschütze war. Ein Treffer gelang ihm auch im Finale, das der hohe Favorit und verdiente Weltmeister Italien 3:1 gewann. Die chancenlosen Deutschen und ihr Trainer Jupp Derwall kehrten als Vizeweltmeister zurück, doch das Skandalspiel gegen Österreich haftet ihnen bis heute als Makel an

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