Spanien
Medien vergöttern Bernd Schuster

Als Bernd Schuster den Trainerposten bei Real Madrid übernahm, sah es zunächst nach einem Debakel aus: Acht Spiele gingen in der Vorbereitung verloren. Nun hat Madrid zwei Spiele gewonnen – und die spanischen Medien feiern den deutschen Trainer prompt als eine Art Erlöser.

HB BERLIN. Was muss das für ein Leid gewesen sein, dass Fabio Capello bei den Fans von Real Madrid ausgelöst hat? Zwei Siege zum Start der Primera Division hat Capellos Nachfolger auf dem berühmtesten Schleudersitz der Fußballwelt Bernd Schuster hinbekommen, zum Beginn ein 2:1 im Derby gegen Atletico, gestern ein 5:0 gegen den FC Villarreal, und im Umfeld der Madrilenen verliert alles Würde und Maß.

Für die Sportzeitung „AS“ etwa, ein so getreues Real-Blatt, dass es Capellos Weg zur Meisterschaft begleitete als würde der Italiener gegen den Abstieg spielen, hat der deutsche Trainer nunmehr die irdischen Grenzen gesprengt. „Dr. Bernardo“, titelte das Blatt in religiöser Verzückung, „Gesegnet sei die Stunde, in der du erschienen bist!“

Auch vom Radiosender Cadena Ser wurde Schuster quasi in den Himmel hinauf gelobt: „Jetzt glauben wir es wirklich. Du bist ein Engel. Wieder eine taktische Meisterleistung des Deutschen.“ Die Zeitung Marca, AS’ hartnäckigster Widersacher im Rennen um die triefendste Schmeichelei auf den spanischen Rekordmeister, verlieh der Mannschaft des Europameisters von 1980 die „Note eins“ und der Fernsehsender TVE meinte, dass „Schusters Dampfwalze den FC Villarreal plattgemacht habe“.

So schnell kann es gehen. Nach acht Pleiten in der Vorbereitung sahen Spaniens Medien noch ein größeres Debakel heraufziehen als unter Capello. Jetzt ist Schuster plötzlich Heiland Bernd, was ihm nun doch langsam zu viel wird. Nach dem Kantersieg gegen Villarreal, die zuvor in neun Spielen nicht einmal verloren hatten, sagte Schuster trocken: „Wir genießen den Erfolg, aber schon in wenigen Tagen werden die Leute unsere Leistung vergessen haben.“

So jedenfalls warte „noch viel Arbeit auf uns, was dann doch übertrieben schien. Das Spiel der Madrilenen hat mit Capellos nüchternem Systemgekicke schon nicht mehr viel gemeinsam. Allein das Spiel des Neuzugangs Sneijder ist ein einziges Spektakel, der Niederländer erzielte neben Raul, Ruud van Nistelrooy, und Guti zwei Tore.

Schuster wurde durch das Freistoßtor des 23-Jährigen zu Beginn der zweiten Hälfte sogar an seine eigenen großen Zeiten erinnert. „Ich kann mich an einen anderen Blonden erinnern, der den Ball vor ein paar Jahren genauso behandelt hat“, ulkte Schuster, und ging somit am Ende doch noch die Gefahr ein, weiter verklärt zu werden: Ein scherzender Deutscher an der Spitze des Königlichen Klubs, das verkraftet kein Spanier ohne Mystik.

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