Spanier fürchten Übermut
Schweizer Spießrutenlauf

„Willkommen in der Hölle!“ Der Hass-Empfang am Bosporus lieferte den Schweizer Fußballern einen Vorgeschmack, was ihnen im letzten Kampf um das zum Greifen nahe Ticket zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in der Türkei bevorsteht.

dpa HAMBURG. Nach dreistündigem Warten am Istanbuler Flughafen auf Koffer und Passkontrolle flogen auf der Fahrt zum Hotel Eier und Plastikflaschen gegen den Bus der Eidgenossen, die im Relegations-Rückspiel einen 2:0-Vorsprung verteidigen müssen. Während Spanien nach dem 5:1 gegen die Slowakei und Tschechien nach dem 1:0 in Norwegen eigentlich nur noch den eigenen Übermut fürchten, traten die als „Hurensöhne“ begrüßten Schweizer mit Betreten türkischen Bodens zum Spießrutenlauf an.

„Sowas habe ich noch nie erlebt, wie die Türken uns behandeln“, fluchte Nationalspieler Philipp Degen von Borussia Dortmund und fasste seine Eindrucke von der aufgeheizten Atmosphäre in der „Neue Rhein/Ruhr-Zeitung“ so zusammen: „Reine Schikane. Und draußen warten die Leute und pfeifen, schimpfen, wirken extrem aggressiv.“ Türkische Zeitungen warnten zwar vor „blinder Rache: Denn Wut und Gewalt führen nur dazu, dass wir uns anschließend schämen müssen“, schrieb „Milliyet“ dazu. „Hürriyet“ kritisiert den Empfang als unpassend zur türkischen Gastfreundschaft: Es sei „falsch und gefährlich“, es den Gegnern auf diese Weise heimzahlen zu wollen.

Die Eidgenossen wollen sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sie fühlen sich nun erst recht motiviert. „Eine WM ist ein Kindheitstraum für mich“, bekannte HSV-Profi Raphael Wicky. Da er wohl nicht noch mal die Chance habe, eine WM zu spielen, werde er „alles daransetzen, dass wir uns gegen die Türken durchsetzen“. Christoph Spycher von Eintracht Frankfurt ersetzt Stuttgarts Ludovic Magnin (gesperrt). Coach Köbi Kuhn forderte von seiner Elf, „dass wir ruhig bleiben, uns immer ganz cool verhalten und durch nichts provozieren lassen“.

Die vor diesen Duellen favorisierten Türken wollen die Hinspiel-Scharte auswetzen. Dass seine Landsleute im Vorfeld der Partie „alle Register ziehen“, um die Gäste aus der Ruhe zu bringen, hält Stürmer Halil Altintop für „normal. Doch wir müssen auf dem Platz die Antwort geben“, forderte der Bundesliga-Torjäger des 1. FC Kaiserslautern.

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