Spanische Sternstunden Die Könige des europäischen Fußballs

Real Madrid, Atlético Madrid, FC Sevilla und FC Valencia: Im Halbfinale von Champions League und Europa League stehen vier spanische Teams. Die Dominanz ist kein Zufall, sondern hat sechs Gründe. Die Erfolgsformel.
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Fußballprofi Gareth Bale: Der walisische Offensivspieler hat zuletzt im Finale der Copa del Rey gezeigt, dass er sein Geld wert ist. Quelle: dpa

Fußballprofi Gareth Bale: Der walisische Offensivspieler hat zuletzt im Finale der Copa del Rey gezeigt, dass er sein Geld wert ist.

(Foto: dpa)

BerlinFür viele ist spanischer Fußball ein Synonym für den FC Barcelona und Real Madrid. Und seit unlängst die Hegemonie des FC Barcelona schwindet, vermuten viele den spanischen Fußball am Boden. Ein Irrtum. Er ist erstarkt wie nie, denn durch den Verfall des katalonischen Platzhirsches ist der Blick auf andere iberische Mannschaften frei, die hart gearbeitet haben. Der Erfolg kam nicht nur durch ein gegenüber der deutschen Fußball-Bundesliga lockereres Finanzgebaren. Die weiteren Gründe, die den Erfolg der spanischen Klubs erklären:

1. Fernseh-Gelder
Geld ist Gold im Klubfußball. Und wenn es auch nicht immer Tore schießt, so verhindert es doch gelegentlich welche. Die monetären Mittel dafür kommen in der spanischen Liga vor allem aus TV-Geldern – die auf der Halbinsel höher als im europäischen Vergleich sind und dezentral vermarktet werden.

Beispielsweise entfallen bei Bayern Münchens Umsatz von 431,2 Millionen Euro 25 Prozent auf TV-Gelder und 55 Prozent auf Marketing-Einnahmen (die verbleibenden 20 Prozent auf Ticketerlöse). Real Madrid dagegen erwirtschaftet seinen Umsatz von 518,9 Millionen Euro aus 36 Prozent Fernsehgeldern und aus 41 Prozent Marketing (23 Prozent aus Ticketverkäufen).

Real Madrid und der FC Barcelona als Liga-Hauptakteure handeln mit dem Medienkonzern Mediapro individuelle Konditionen aus, die anderen spanischen Mannschaften haben das Nachsehen: Das Duopol bekommt rund 50 Prozent der TV-Gelder, die verbleibenden 50 Prozent stehen den anderen 18 Teams zur Verfügung.

Diese Vormachtstellung bei der Verteilung festigt die Hegemonie allerdings nicht unbedingt, wie die bislang titellose Saison des FC Barcelona zeigt. Die spanische Politik diskutiert derzeit, diese Verteilung zu ändern. Zurecht. Deutsche Teams sind bei einer zentralen TV-Vermarktung durch die DFL nicht weniger wettbewerbsfähig. Die hohen Etats sind folglich durchaus ein „Einkommensvorteil“, wie der Bericht zur Football Money League der Beratungsgesellschaft Deloitte bestätigt. Aber dieser Vorteil muss klug umgesetzt werden.

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4 Kommentare zu "Spanische Sternstunden: Die Könige des europäischen Fußballs"

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  • Letztendlich geht es in dieser so diversifizierten Analyse fast immer nur um Geld und financially unfair Play. Hauptgrund für den Aufstieg des spanischen Liga-Fussballs aus der Mittelmäßigkeit war und ist nach wie vor die intransparente und unfaire und ungleich höhere Finanzierung im Vergleich zu anderen Ligen/Ländern.
    Teams wie Real und Barca werden zwar auch in Zukunft oben mitspielen ... denn sie haben beste Finanzbeziehungen weltweit, das hat auch etwas mit der umlagernden Aristokratie bei Real und dem katalanischen Ego bei Barca zu tun. Es sind viele einflussreiche Menschen dort sehr stark engagiert.
    Der Rest war, ist und bleibt aber Garnitur ... mit wechselndem Erfolg.

    Der spanische Fussball abseits von Real und Barca wird vermutlich den gleichen Weg gehen wie das Land selbst, die Nuller Jahre geprägt vom endlosen Zustrom an Geld aus aller Welt, Euphorie und Größenwahn und dann die Umkehr ... wie gewonnen so zerronnen.

    Der Unterscheid zu Deutschland ist halt auch, dass während ein Ulli Hoeness in den Bau gehen muss, sitzt der vielfach kriminellere Hr. Perez weiter unangefochten im Real-Stadion und zieht die Strippen. Und der hat´s nun wirklich faustdick hinter den Ohren.

    Die Euroleague-Mannschaften hier heranzuziehen ist mE eh nicht brauchbar, ist doch diese Spielklasse ohnehin schon lange nicht mehr von Interesse. Im nächsten Jahr stehen dort auch vermutlich keine 2 spanischen Mannschaften mehr im HF. Aus einem einmaligen Ereignis lässt sich nunmal kein Trend generieren, zumindest nicht bei echten Statistikern.

    Also am Ende viel Hype um nicht so viel.

    Zur spanischen Nationalmannschaft muss man sagen, dass sie dort mit del Bosque
    einen wirklich einmalig guten Trainer am Start haben, aber mal sehen was danach kommt. Außerdem wird viel davon abhängen, wie erfolgreich die beiden Kernteams Real und Barca die Ausbildung junger Talente weiterhin betreiben können (finanziell). Die große Zeit der Dominanz der spanischen Nationalmannschaft scheint aber vorbei .

  • Komisch, letztes Jahr um diese Zeit konnten im Handelsblatt noch die Gründe gelesen werden weshalb der spanische und englische Fußball auf dem absteigenden Ast ist und welche brutalen Vorteile der deutsche Fußball doch hat. Jetzt, da mal wieder überproportional viele spanische Mannschaften in den Endrunden sind, lesen wir das Gegenteil.
    Irgendwie unseriös, oder ?

  • Ein wichtiger Punkt fehlt: Hohe Schulden und staatliche (steuerliche) Unterstützung. Beides wäre so in Deutschland nicht möglich.

  • Das scheint ja alles Sinn zu machen, was hier in Einzelteile zerlegt dargestellt wird, überraschen tut einzig, dass der wohl entscheidendste Faktor für den beispiellosen Aufstieg des spanischen Fussballs seit 2007 totgeschwiegen wird: der Einsatz pharmakologischer Substanzen, wie sie anderswo längst gang und gäbe waren. Andere Nationen haben hier ihren Rückstand offensichtlich wettgemacht, siehe auch Ergebnisse in der Champions League ... Wer dennoch daran festhält, dass der Fussball 'clean' und damit glaubwürdig geblieben ist, der führe sich doch mal Auszüge aus der Studie der Humboldt-Uni in Berlin von 2013 zu Gemüte (siehe Internet). Auszug eines Kommentars dazu: 'Müssen einige Höhepunkte der deutschen Fussball-Historie neu bewertet werden? Wenn die Erkenntnisse aus dem Bericht stimmen, schon. So sollen Spieler der D Nationalmannschaft bei insgesamt drei WM-Endspielen unter Dopingverdacht gestanden haben.' Dem ist (leider) nichts anzufügen.

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