Fußball
Spiel gegen Deutschland für Türken Nebensache

Vor dem Duell gegen Deutschland in Instanbul richten die türkischen Spieler ihre Blicke bereits auf die entscheidenden WM-Qualifikationsspiele. "Wir konzentrieren uns voll auf Albanien", sagte Abwehrspieler Alpay Özalan.

Für die Spieler der türkischen Nationalmannschaft besitzt das Duell gegen das deutsche Team am Samstag in Istanbul (20.00 Uhr Mesz/live im ZDF) keinen hohen Stellenwert. Auch die in Deutschland geborenen Spieler interssiert das Prestige-Duell nur am Rande. "Für uns ist das Spiel gegen Deutschland nicht wichtig. Wir schauen alle auf unser WM-Qualifikationsspiel am Mittwoch in Albanien. Da müssen wir gewinnen, nur das zählt", sagt Yildiray Bastürk von Hertha BSC Berlin vor dem Länderspiel gegen die Elf von Bundestrainer Jürgen Klisnmann stellvertretend für seine Bundesliga-Kollegen Hamit (Schalke 04) und Halil Altintop (1. FC Kaiserslautern) sowie Nuri Sahin von Borussia Dortmund.

Mit den Gedanken bei der WM-Qualifikation

Zwar erwartet Bastürk ein hitziges Spiel im Atatürk-Stadion und eine "wahre Fußball-Hölle". Aber auch Christoph Daum, Trainer bei Meister Fenerbahce Istanbul, weiß, dass die Partie gegen Deutschland keinen allzu hohen Stellenwert am Bosporus genießt. "Die Türken sind mit ihren Gedanken bei den Spielen der WM-Qualifikation", meint Daum. Abwehrspieler Alpay Özalan bestätigt diese Sichtweise: "Wir konzentrieren uns voll auf Albanien. Für uns wäre es ein Alptraum, uns nicht für die WM zu qualifizieren", sagt der Profi des 1. FC Köln. Die Türkei ist vor dem Spiel gegen die Mannschaft von Hans-Peter Briegel auf Schützenhilfe der Dänen gegen Europameister Griechenland angewiesen, um noch Platz zwei in Gruppe zwei hinter der Ukraine zu erreichen.

Immerhin sieht Spielmacher Bastürk die türkische Nationalelf nach der verpassten Qualifikation für die EM 2004 in Portugal "auf einem guten Weg. Wir haben eine junge Mannschaft. Wenn wir in ein paar Jahren eingespielt sind, sind wir wirklich stark".

Trainer Fatih Terim gab zuletzt den immer lauter gewordenen Forderungen in der Türkei nach und baut wie Klinsmann ab sofort verstärkt auf die Jugend. "Sollten wir die Qualifikation für die WM in Deutschland schaffen, werden wir dort mit einer jungen Mannschaft antreten", sagt Terim. Er wird voraussichtlich schon am Samstag gegen Deutschland ein Zeichen setzen: Im Olympiastadion soll der erst 17 Jahre alte Hoffnungsträger Nuri Sahin von Bundesligist Borussia Dortmund sein Debüt in der Nationalmannschaft feiern.

Noch vor Monaten wäre dies schwer vorstellbar gewesen. Nach dem Überraschungs-Coup mit Platz drei bei der WM 2002 vertrauten die Türken weiter den Helden aus Südkorea und Japan. Doch in der Qualifikation zur Euro 2004 scheiterten die Routiniers um Stürmerstar Hakan Sükür, der gegen Deutschland ebenso ausfällt wie Hasan Sas, Ümit Karan und Fatih Tekke.

Terim setzt auf die Jugend

"Der Zeitpunkt, junge Spieler zu integrieren, wurde nicht wahrgenommen", kritisierte der ehemalige Nationalmannschafts-Coach Senol Günes im "Kicker". Auch Ex-Verbandspräsident Haluk Ulusoy bemängelte: "Man hat das Risiko gescheut, den Jungs eine Chance zu geben." Nun steht die Türkei am Scheideweg - und Terim steht dem Umbruch nicht mehr im Wege.

Über wieviel Nachwuchspotenzial die Türken verfügen, bewiesen die Junioren um Sahin erst in der vergangenen Woche mit Platz vier bei der U17-WM in Peru. Nun soll ein verjüngtes A-Team die Türkei mit einem Sieg in der WM-Qualifikation in Albanien sowie Erfolgen in den anschließenden Play-offs zur Endrunde führen.

Daum ist von der WM-Teilnahme der Türkei überzeugt. "Die Türkei ist in der Lage, sich für die Endrunde zu qualifizieren und dann in Deutschland ein großes Turnier zu spielen. Dort kann die Wiederauferstehung gelingen", sagt Daum. Er spricht sich allerdings für eine vorsichtige Integration der "neuen Generation" aus: "Auch ein Sükür kann noch wichtig sein. Mit ihm hat man die Lufthoheit."

Nicht nur für die Mill. in Deutschland lebenden Türken und ihre für die Nationalelf kickenden Landsleute, sondern auch für Klinsmann wäre das Scheitern der Türkei in der WM-Qualifikation bedauerlich. "Die Türkei wäre eine große Bereicherung für die WM-Endrunde", sagt Klinsmann: "Denn jedes Spiel der Türken in Deutschland würde zu einem großen Fest."

© SID

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