Spieler als Zuschauer
Das trauernde Publikum

Es gibt nicht nur glückliche Zuschauer bei der WM 2006. Einige Stadiongänger würden lieber auf dem Rasen stehen, wurden jedoch durch Verletzungen oder Sperren zum Zuschauen verbannt.

Für sie hat die Weltmeisterschaft in Deutschland einen faden Beigeschmack. Während andere Fans über ihre Stadion-Tickets überglücklich sind, können sie sich über ihren Platz auf der Tribüne nicht freuen. Die Rede ist von denjenigen Spielern, die bei der WM nicht für ihr Team auflaufen können. Sei es, weil sie verletzt, gesperrt oder schlicht nicht nominiert sind.

Einer von ihnen ist z.B. Der Schweizer Benjamin Huggel. Der vom Fußball-Weltverband Fifa für sechs Spiele gesperrte Bundesliga-Profi von Eintracht Frankfurt hat seinen Stammplatz während des Turniers auf der Tribüne. "Es ist nicht wichtig, wie es mir im Moment geht, sondern wie es für die Mannschaft läuft", verrät er über seinen Gemütszustand vor dem nächsten Auftritt der Eidgenossen am Montag gegen Togo.

Schweizer Kollegen zeigen sich solidarisch zu Huggel

Für seine Mitspieler ist Huggel keineswegs außen vor. In ihrem Quartier in Bad Bertrich, zu dem der Mittelfeldspieler laut Fifa-Reglement keinen Zutritt hat, laufen die Schweizer oft genug in T-Shirts mit der Aufschrift "Benny, wir kämpfen auch für dich" umher.

Sein Frankfurter Vereinskollege Cha Du-Ri darf die WM nach seiner Ausbootung aus dem südkoreanischen Team nur als Mitarbeiter einer TV-Station seines Heimatlandes verfolgen. "Natürlich bin ich traurig, dass ich nicht für die WM nominiert worden bin. Der Trainer hat vor der WM nicht ein einziges Mal mit mir gesprochen", ärgert sich Cha.

Sein Stern ging 2002 auf, als er bei der Heim-WM in Asien mit seinem damals von Guus Hiddink betreuten Team sensationell ins Halbfinale einzog. Vier Jahre später hat der neue Trainer Dick Advocaat den Germano-Koreaner weder von seiner Nichtberücksichtigung informiert noch ihm eine Begründung für diese Entscheidung geliefert.

Rooneys Comeback zerstörte Defoes WM-Hoffnungen

Die hat Englands Coach Sven-Göran Eriksson seinem Stürmer Jermain Defoe sehr stichhaltig geliefert. Viel leichter ums Herz ist es dem Angreifer von Tottenham Hotspur deswegen nicht geworden. Als klar war, dass Wayne Rooney nach seinem Mittelfußbruch rechtzeitig zum Achtelfinale fit werden könnte, verflogen sämtliche Hoffnungen des Stand-by-Stürmers Defoe.

"Es tut mir wirklich Leid für ihn, denn er ist ein Klassestürmer. Doch ich musste mich für 23 Spieler entscheiden. Einen mehr durften wir leider nicht nominieren", sagte Eriksson, nachdem er den potenziellen Nachrücker einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel aus dem Mannschafts-Hotel nach Hause geschickt hatte. Schon vor der EM 2004 stand Defoe auf Abruf bereit, wartete aber letztlich vergebens.

Eine Rolle, die Ludovic Giuly vom Champions-League-Sieger FC Barcelona dankend ablehnte. "Wenn einer verletzt ist, Pech für Domenech. Mit mir kann man nicht alles machen, ich verlange ein wenig Respekt. Offensichtlich bin ich ja noch nicht einmal unter den ersten 30 oder 40", sagte Giuly pikiert. Statt den Barca-Star zu nominieren, entschied sich Frankreichs Trainer Raymond Domenech für Neuling Franck Ribery von Olympique Marseille.

Cisse verletzte sich kurz vor dem Turnier

An Giulys Stelle wurde Sidney Govou von Meister Olympique Lyon nachnominiert, nachdem Djibril Cisse beim Weltmeister von 1998 zum absoluten Pechvogel avancierte. Im letzten Testspiel in St. Etienne gegen China (3:1) erlitt der Torjäger vom FC Liverpool einen Schien- und Wadenbeinbruch. Nun soll er so schnell wie möglich zur WM nachreisen und die Spiele wenigstens von der Tribüne aus verfolgen.

In die Reihe der schwer Enttäuschten gehört auch Polens Mittelfeldspieler Damian Gorawski. Bei der Abschluss-Untersuchung unmittelbar vor WM-Beginn diagnostizierten die Ärzte in der Heimat bei dem 27-Jährigen Herzprobleme - woraufhin Trainer Pawel Janas sicherheitshalber Bartosz Bosacki von Lech Posen in den Kader berief.

© SID

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