Spieler freuen sich auf die Dortmunder WM-Arena
DFB-Team setzt auf „brodelnden Vulkan“

Die DFB-Auswahl setzt im WM-Halbfinale gegen Italien besonders auf das Publikum in Dortmund als zwölften Mann und rechnet sich gute Siegchancen aus. Besonders euphorisch fiebert BVB-Profi Christoph Metzelder dem Spiel entegegen.

HB DORTMUND. DFB-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und die gesamte Mannschafte freuen sich auf die Dortmunder WM-Arena, die das "Lieblingsstadion" der Mannschaft ist. erklärte. "Die Atmosphäre kann man nicht toppen, das ist ein Vulkan, der brodelt - und der hoffentlich zum Ausbruch kommt", schwärmte der Bundestrainer vor dem Halbfinale am Dienstag (21.00 Uhr) gegen Italien.Die Stimmung ist phänomenal, die Faszination unbeschreiblich und die Bilanz positiv: Kein Wunder, Klinsmann und die Nationalmannschaft setzen auf die Dortmunder Festung, in der in bislang 14 Partien 13 Siege und nur ein Remis (59:7 Tore) in der Statistik stehen - und natürlich auf die deutschen Fans unter den 65.000 Zuschauern.

Schon nach dem 1:0 in der Vorrunde am 14. Juni gegen Polen berichteten Ballack und Co. vom bisher "stimmungsvollsten Länderspiel, das jemals in einem deutschen Stadion stattgefunden hat". Nach der Überzeugung von Nationalspieler Christoph Metzelder von Borussia Dortmund ist eine Steigerung im Duell mit der Squadra Azzurra garantiert: "Es war für uns eine große Motivation, noch einmal in Dortmund spielen zu dürfen. Es wird eine Atmosphäre geben, die es in Deutschland noch nie gegeben hat. Wenn wir sie nutzen können, werden wir Italien einen großen Kampf liefern."

Was ausgerechnet dieses Stadion ausmacht? "Ich kann es nicht erklären", so der 25-Jährige. "Dortmund ist eine Fußball-verrückte Stadt, die Menschen leben Fußball. Ich habe das Privileg, das alle zwei Wochen erleben zu dürfen", ergänzte der Innenverteidiger vor dem dritten Auftritt der Nationalmannschaft in Dortmund innerhalb von vier Monaten.

Wie sich die Zeiten ändern. Noch vor dem Länderspiel am 22. März gegen die USA (4:1) sorgte die Ausbootung des Dortmunder Lokalmatadors Christian Wörns durch Klinsmann für eine aufgeheizte Stimmung. Mit einem öffentlichen Training und 11.000 T-Shirts wurden die Gemüter beruhigt. "Die Nationalmannschaft konnte sich immer auf Dortmund verlassen", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nicht ohne Stolz auf "das authentische Fußball-Stadion".

"Die steilen Ränge, die Enge und die Akustik sorgen für einen Hexenkessel", so Watzke, der glaubt, dass sich selbst die ausgebufften Italiener von der Kulisse beeindrucken lassen: "Denn die sind es ja zu Hause nicht mehr gewohnt, in vollen Stadien zu spielen."

Der ehrgeizige Umbau des einstigen Westfalenstadions, das für die WM 1974 errichtet wurde, zu einer der schönsten Arenen in Europa (Fassungsvermögen 81.200 bei Bundesliga-Spielen), hätte die heimische Borussia beinahe in die Insolvenz gestürzt. Sogar der WM-Standort Dortmund geriet kurzzeitig in Gefahr, bevor die Zustimmung der BVB-Gläubiger und eines Investors für Entspannung sorgten. Inzwischen befindet sich das Stadion wieder in Besitz des BVB.

"Goldgrube", "Schmuckkästchen" oder "Fußball-Oper" - das Dortmunder Stadion wurde schon mit einigen Superlativen geadelt und genießt auch international einen exzellenten Ruf. Unvergessen ist unter anderem das spektakuläre UEFA-Cup-Endspiel 2001 zwischen dem FC Liverpool und CD Alaves (5:4 n. V.). In punkto Länderspiele war Dortmund bislang nicht verwöhnt, erstklassige Mannschaft sahen die Anhänger kaum. Dazu Watzke: "Dortmund hatte beim DFB lange keine Lobby."

Doch das hat sich seit dem entscheidenden 4:1 in den Playoffs der WM-Qualifikation gegen die Ukraine (14. November 2001) geändert. Inzwischen fordern Experten sogar, Dortmund zum "deutschen Wembley" zu erklären. Auch Reiner Calmund, WM-Beauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen, macht aus seiner Faszination keinen Hehl: "Eigentlich müssten alle wichtigen Länderspiele des DFB in Dortmund stattfinden."

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