Spieler müssen sich beweisen
Ein Drahtseilakt auf dem Weg zur WM

Heute in zwei Wochen startet der Confederations Cup, das Turnier der Kontinentalmeister. Erstmals nimmt man beim DFB diese Turnier wirklich ernst. Denn statt zu WM-Euphorie könnte die "Mini-WM" auch zu Frust führen.

Wenn sich David Dimitri heute in zwei Wochen - etwa so gegen 20.53 Uhr - einen Fehltritt leistet, dann können sich Millionen Fußballfans in Ruhe noch ein Bier besorgen. Denn "es wird schon einige Minuten dauern", sagt der Seiltänzer, bis er sich wieder auf das in 30 Meter Höhe über dem Frankfurter WM Stadion gespannte Stahlseil heraufgehangelt hat. Der für 21 Uhr geplante Anstoß der Partie Deutschland gegen Australien würde sich verzögern.

Der 42-Jährige überquert das Stadion auf einem 200 Meter langen und nur 1,4 Zentimeter dünnen Stahlseil. Fällt der Schweizer, dann hängt er in 28,5 Metern Höhe wie eine Marionette an einem Sicherungsseil. Und gerade dieses Seil könnte der Grund sein, warum der erfahrene Dimitri, der seit 27 Jahren Seiltänzer ist, unerwartet danebentritt: "Die Sicherung behindert mich, weil ich auf dem 100sten Gramm genau im Gleichgewicht bin, wenn ich auf dem Seil laufe. Da stört jedes zusätzliche Gewicht, jede Ablenkung", sagt Dimitri, der meist auf Absicherung verzichtet.

Dimitris Drahtseilakt ist die Attraktion der Eröffnungsfeier des Confederations Cup, der erstmals in Deutschland stattfindet. Und zum ersten Mal nimmt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Turnier ernst. Bislang traten die deutschen Kicker entweder gar nicht an, oder der DFB schickte eine B-Elf. Die blamierte sich bei ihrem bislang einzigen Auftritt 1999 in Mexiko dann auch bis auf die Knochen.

Doch diesmal soll alles anders werden. Und es spricht vieles dafür, dass die "Mini-Weltmeisterschaft" aus sportlicher Sicht ein voller Erfolg wird. Denn sie kommen alle: Weltmeister Brasilien, Argentinien, Griechenland, Mexiko, Japan, Australien und Tunesien treten fast alle mit ihren besten Spielern an. Der Cup verspricht also einige spannende und hochklassige Spiele.

Aus deutscher Sicht sollte am 15. Juni Dimitris Hochseillauf allerdings das spannendste Ereignis des Tages bleiben. Australien ist ein Fußballzwerg, alles andere als ein Sieg der Mannschaft von Jürgen Klinsmann gegen den 56. der Fifa-Weltrangliste wäre eine Überraschung. Und dann könnte der "Drahtseilakt Confed Cup" statt zu WM-Euphorie eher zu Frust führen.

Seite 1:

Ein Drahtseilakt auf dem Weg zur WM

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%