Spieler und Stiftungen: Das Spiel mit der Wohltat

Spieler und Stiftungen
Das Spiel mit der Wohltat

Im Fußball geht der Trend zum sozialen Engagement. Auch vor den Spielern macht er nicht halt: Immer mehr Profis gründen eigene Stiftungen – wie Lukas Podolski. Doch hinter der Fassade steckt nicht nur Gutmenschentum.
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DüsseldorfOhne die Weltmeisterschaft in Südafrika vor drei Jahren hätte es die Philipp-Lahm-Stiftung vielleicht nie gegeben. Denn es war die Neugier auf das Land, die den heutigen Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft dazu brachte, 2007 eine Reise in den Süden des afrikanischen Kontinents anzutreten. Der Kontrast zwischen Arm und Reich, zwischen prunkvollen Villen und dreckigen Townships bewegte Philipp Lahm und weckte in ihm den Wunsch, etwas zu verändern, zu helfen. Noch im selben Jahr gründete er seine eigene Stiftung.

Es gibt etliche weitere Beispiele von Fußballern, die ihre eigene Stiftung gegründet haben: Manuel Neuer, Gerald Asamoah, Per Mertesacker, Lukas Podolski, Christoph Metzelder. Doch so unterschiedlich ihre Motive sind, so ähnlich ist der Weg dieser Fußballer: Sie alle entschieden sich, ihr Engagement in einer Stiftung zu bündeln. Ein Trend, der sich in der Bundesliga verbreitet. Doch hinter den Wohltaten steckt nicht nur der gute Wille, sondern auch kalkuliertes Marketing. Und über längst nicht alles reden die Stiftungen so gerne wie ihre guten Taten.

Nicht nur die Spieler haben die Wohltätigkeit für sich entdeckt. Auch die Vereine und der DFB haben eigene Charity-Einrichtungen. Das Projekt „Fußball stiftet Zukunft“ zählt 31 Fußball-Stiftungen in Deutschland, rund drei Viertel davon wurden seit 2000 gegründet. Immer häufiger sind Stifter nun aktive Fußballspieler oder Ex-Profis. Gab es früher nur eine Handvoll Kicker, die sich während ihrer aktiven Zeit mit einer Stiftung konkret für andere Menschen einsetzten, sind es inzwischen mehr als ein Dutzend.

Die Auslöser für die Einrichtungen sind unterschiedlich, doch ein Gefühl verbindet alle Stifter: das Gefühl, etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu müssen. Das sagen nicht nur Philipp Lahm und Christoph Metzelder im Interview gegenüber Handelsblatt Online, auch Lukas Podolski und Per Mertesacker schreiben es auf den Internetseiten ihrer Stiftungen. Es ist das allgemeine Gefühl, am eigenen Erfolg auch andere teilhaben zu lassen, das Gefühl, dass man selbst etwas mehr Glück hatte als der Rest.

Ein Gefühl, dass auch Gerald Asamoah kennt. Der Schalke-Profi galt nie als Edeltechniker, doch in Deutschland ist er dennoch eine Kultfigur – und das nicht erst seit dem „Sommermärchen“ 2006. Fast wäre der in Ghana geborene Asamoah aber nie Fußballprofi geworden. In seinen jungen Jahren wurde bei ihm ein schwerer Herzfehler diagnostiziert. Die Ärzte rieten ihm von einer Karriere ab. Es schien das Aus, bevor alles begonnen hatte. Ein Mediziner aus den USA konnte helfen, Asamoah seine Karriere schließlich doch starten. Sein Glück teilt er nun mit seiner Stiftung: Er unterstützt herzkranke Kinder in Deutschland und in Ghana.

Viele Fußballer, die eine Stiftung gründen, haben einen persönlichen Bezug zu ihren Projekten. Per Mertesacker und Manuel Neuer engagieren sich zum Beispiel regional, also aus den Landstrichen, aus denen sie kommen. Lukas Podolski will auch in seinem Geburtsland Polen helfen und dort die erste „Arche“ gründen. Doch allein der Wille reicht nicht für soziales Engagement. Denn der Weg zu einer Stiftung ist nicht ganz einfach.

Wer sich in Deutschland dazu entschließt, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, der muss sich sehr sicher sein. Laut Stiftungsgesetz wird er das investierte Geld nämlich nie wieder sehen: Wenn jemand eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts ins Leben ruft, verpflichtet er sich dazu, das Geld einem guten Zweck zugute kommen zu lassen – selbst, wenn er die Stiftung irgendwann auflöst. In der Satzung muss ein Stifter bereits festlegen, wohin das investierte Kapital fließen soll, falls es die Einrichtung einmal nicht mehr gibt. Als inoffizielles Mindestvermögen gilt ein Betrag von 50.000 Euro, in manchen Bundesländern liegt es sogar etwas höher. Das gilt übrigens nicht für gemeinnützige GmbHs (gGmbH) wie die von Bayern-Torhüter Neuer. Sie müssen lediglich ein Mindestvermögen von 25.000 Euro einzahlen – und bekommen das Geld nach Auflösung komplett wieder.

Das Gerücht, dass sich Stifter mit einer solchen Einrichtung bereichern können, ist also falsch. Zwar ist es richtig, dass gemeinnützige Stiftungen keine Körperschaftssteuer wie Unternehmen zahlen müssen. Die Steuer würde für 15 Prozent des Einkommens anfallen. Doch davon haben nicht die Gründer einen Vorteil, sondern ihre Stiftungen.

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