Spielmacher
Riquelme verzückt die Fans der ´Albiceleste´

Der Lebenslauf von Argentiniens Fußball-Idol Diego Maradona weist durchaus Parallelen mit dem des derzeitigen Spielmachers der "Albiceleste" auf. Auf dem Platz unterscheidet sich Juan Roman Riquelme aber von "El Diego".

Jorge Rodriguez, Trainer von Defensores de Bella Vista, konnte nicht glauben, was er an diesem Morgen im Jahre 1985 erlebt hatte. "Nach Maradona ist er der Beste, den ich je gesehen habe", sagte er über den Siebenjährigen, der ihn so beeindruckt hatte. 21 Jahre später ist der einstige Knirps einer der ganz Großen dieser WM. Juan Roman Riquelme ist der Stratege im Mittelfeld der argentinischen Nationalmannschaft, dem besten Team dieser Endrunde und Gegner Deutschlands im Viertelfinale.

Parallelen im Lebenslauf

Die Vergleiche mit dem großen Diego begleiten Riquelme sein ganzes Fußballer-Leben lang. Wie Maradona wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf. Wie Maradona spielte er für Argentinos Juniors, ehe er zu Boca Juniors Buenos Aires und dann zum FC Barcelona ging. Wie Maradona dirigiert Riquelme seine Teamkollegen als klassische Nummer 10.

Wer den 28-Jährigen aber genauer beobachtet, erkennt schnell, dass es große Unterschiede gibt. Unterschiede, die Riquelme den Spitznamen "fauler Magier" einbrachten. Maradona war der Begründer des Tempofußballs moderner Prägung. Ein Genie, das es liebte, seine Gegner mit Dribblings in ungeahnter Geschwindigkeit zu erledigen. Im Vergleich dazu wirkt Riquelme wie ein Temposünder, der es wagt, auf der Autobahn 30 zu fahren.

Spazierfahrt durch das Mittelfeld

"Einer meiner Freunde nennt ihn das Zollhäuschen", sagt Jorge Valdano, 1986 Torschütze im Finale gegen Deutschland: "Wenn der Ball zu ihm kommt, muss er halt machen." Die meisten Menschen wählten die Autobahn, wenn sie von A nach B kommen wollten, ergänzt er: "Roman nimmt die Bergstraße mit schöner Aussicht, die ihn sechs statt zwei Stunden kostet."

Bei seinen Spazierfahrten durchs Mittelfeld ist Riquelme aber jederzeit bereit, für den Gegner unerwartet plötzlich Gas zu geben. "Er wartet nur auf den Moment, in dem er dich töten kann", sagt Arsene Wenger, Trainer beim FC Arsenal. Die Elfenbeinküste erfuhr diese Gabe beim 1:2 in der Vorrunde am eigenen Leib, als Riquelme die Abwehr der Ivorer vor Javier Saviolas 2:0 mit einem tödlichem Pass aufschlitzte.

Weitere Geniestreiche folgten. Am Zaubertor über 25 Stationen gegen Serbien war Riquelme viermal als Rhythmusgeber beteiligt, und im Achtelfinale gegen Mexiko bereitete er in seinem 35. Länderspiel den Ausgleich durch Hernan Crespo vor. Trainer Louis van Gaal, der ihn in der Saison 2002/03 bei Barca auf dem Flügel oder der Bank versauern ließ, wird mit Grauen verfolgen, zu was "Romy" im Stande ist.

Erst nach seiner Flucht zum Provinzklub FC Villarreal blühte Riquelme wieder auf. "Villarreal hat mich gerettet", sagt er. Dort wurde der stets traurig blickende Künstler zum besten Passgeber der Primera Division. In der vergangenen Saison führte er seinen Klub sogar bis ins Halbfinale der Champions League, doch ausgerechnet Riquelme war es, der in der 89. Minute des Rückspiels gegen Arsenal per Elfmeter am deutschen Nationaltorhüter Jens Lehmann scheiterte.

Die Kritiker sahen sich bestätigt in ihren Vorurteilen. Riquelme mangele es an Konstanz, hieß es. Nationaltrainer Jose Pekerman hielt unbeirrt an seinem Zögling fest - und wurde belohnt. Bei der WM hat Riquelme bewiesen, dass er der einzige Spieler der Albiceleste ist, den Pekerman nicht gleichwertig ersetzen kann. Riquelme wird längst wieder von großen Klubs wie Inter Mailand und Real Madrid umworben. "Manche sagen, er sei langsam", meint Pekerman: "Aber er ist nur clever. Der Ball soll laufen, nicht die Spieler."

© SID

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