Spielmacher
Wie Trainer den Fußball verändern

Neue Trainer sprechen heute gerne von einem langfristigen Projekt, das sie umsetzen werden. Um die langfristige Ausrichtung des Vereins muss sich jedoch der Sport-Vorstand kümmern, meint Thomas Hitzlsperger.

Wenn Peter Neururer wieder einen Job annimmt, wird er gewohnt lässig behaupten, dass er genau der richtige Trainer sei. Er ist keiner, der von einem Dreijahresplan redet. Neururer macht es sofort. Das mag naiv oder vielleicht arrogant wirken, aber planlos ist es nicht.

Neue Trainer sprechen heute gerne von einem langfristigen Projekt, das sie umsetzen werden. Gemeint ist damit, dass sie nicht sofort nach der ersten Niederlagenserie entlassen werden wollen. In der Bundesliga werden jedoch keine Projektmanager gesucht, sondern Fachkräfte, die mit den Spielern das Maximum erreichen sollen.

Um die langfristige Ausrichtung des Vereins muss sich der Sport-Vorstand kümmern. Das kann und darf nicht die Aufgabe des Trainers sein, weil der Verein sonst bei jedem Trainerwechsel die Philosophie ändern müsste. Das hält kein Klub aus.

Der deutsche Trainermarkt hat eine Menge guter Talente in den vergangenen Jahren hervorgebracht. Bundesliga-Trainer ist nun ein Traumjob für jedermann, Erfahrung als Fußballprofi keine Voraussetzung mehr. Das hat den Fußball verändert und einen neuen Typus hervorgebracht, der neuerdings als Laptop-Trainer bezeichnet wird. Der allgemeinen Qualität hat das nicht geschadet.

Zu beobachten ist jedoch, dass sich die Spielstile vieler Mannschaften ähneln. Besonders beliebt ist das Gegenpressing, am liebsten in einem 4-2-3-1-System. Die Athletik, das Tempo und das Spielverständnis haben zugenommen. Doch wenn alle Verfechter der schnellen Balleroberung sind, entscheidet am Ende wieder Tagesform oder individuelle Klasse. Dadurch werden auch die Neulinge ersetzbar und müssen nach kurzer Zeit fürchten, vom nächsten Jahrgangsbesten verdrängt zu werden.

Es überrascht daher nicht, dass mit Bayern München und Borussia Dortmund zwei Teams an der Bundesliga-Spitze stehen, deren Trainer kein System als das einzig Wahre ausrufen. Das Spiel verändert sich rasant, Pep Guardiola und Thomas Tuchel haben dies begriffen. Und Peter Neururer weiß, dass diese Entwicklung noch nicht überall angekommen ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%