Spielmanipulation
Korruption im Fußball nimmt zu

Allein 40 europäische Qualifikationsspiele stehen unter Manipulationsverdacht. Der Einfluss der Wettmafia auf Fußballergebnisse wächst. Nun will die Uefa mit strengeren Kontrollen gegen die Wettbetrüger vorgehen - und fordert die Anbieter auf, sich an der Bekämpfung von Manipulationen zu beteiligen.

KÖLN. Wenn Velibor Dzarovski Dzaro über sein Lebenswerk spricht, geht es um Lügen, Betrug und sehr viel Geld. Dzaro ist Wettpate. Sein Geld verdiente der Mazedonier, indem er Fußballspieler bestach und Spielergebnisse manipulierte. Mittlerweile spricht er offen über den korrupten Fußball in seiner Heimat: „Es gibt eine Mafia, die in allen Klubs ein- und ausgeht“, sagte er Anfang des Jahres in einem Fernsehinterview. Fast 100 Spiele will Dzaro in seiner Karriere persönlich manipuliert haben, auch Partien in europäischen Wettbewerben: 300 000 Euro koste ein Wunschergebnis in der Vorrunde, ein verschobenes Halbfinale sei für 1,5 Mio. Euro zu haben, sagt er.

Für Dzaro und seine Hintermänner ist es ein sicheres Geschäft: Wer weiß, wie ein Spiel ausgeht, kann beim Wetten nicht verlieren. Mit der Aussicht auf gigantische Gewinne breitet sich die Korruption im Fußball immer weiter aus. Am vergangenen Wochenende musste der europäische Fußballverband Uefa bekanntgeben, dass 40 Qualifikationsspiele zur Champions League und aus dem Uefa-Cup unter Manipulationsverdacht stehen. 15 davon fanden in den vergangenen zwei Jahren statt.

Für die Glaubwürdigkeit des Fußballs stellen solche Nachrichten eine Bedrohung dar. „Der Sport lebt von Spannung und Fairness. Wenn das verloren geht, kann man im Grunde einpacken“, sagt Sylvia Schenk, Leiterin des deutschen Büros von Transparency International. Die Organisation kritisiert, viele Verbände hätten keine effektiven Maßnahmen ergriffen, um angemessen mit dem Problem der Bestechung im Sport umzugehen. „Das war lange Zeit ein Tabu-Thema“, sagt Schenk. „Viele hatten davor Angst, das Problem anzusprechen, weil sie nicht wussten, wie Sponsoren und Zuschauer reagieren würden. Stattdessen wurde es einfach totgeschwiegen.“

Diese Haltung beginnt sich zumindest bei der Uefa langsam zu ändern. Der Verband verstärkt seine Ermittlungsarbeit und sprach bei den wenigen bisher aufgeklärten Manipulationsfällen harte Strafen aus. So schloss die Organisation im April den mazedonischen Verein FK Pobeda für acht Jahre von europäischen Wettbewerben aus. Die Uefa sah es als erwiesen an, dass der Klub Qualifikationsspiele in der Champions League manipuliert habe. Vereinspräsident Aleksandar Zabrcanec und Spieler Nikolce Zdraveski wurden lebenslang gesperrt.

Die Uefa will nun auch mit strengeren Kontrollen gegen die Wettmafia vorgehen. Seit Beginn dieser Saison lässt der Verband nicht nur die Spiele der europäischen Wettbewerbe, sondern auch die der ersten beiden Ligen in ganz Europa überwachen. Wenn auffällig hohe Beträge auf Spiele gewettet werden, schlägt das Kontrollsystem Alarm.

Der Markt, den die Verbände überblicken müssen, hat enorme Ausmaße. Mehrere Tausend Wettanbieter sind über das Internet erreichbar. 250 bis 300 Mrd. Dollar setzen Unternehmen weltweit mit Sportwetten um, schätzt Wolfgang Feldner, der für den Weltverband Fifa den Markt auf Manipulationen untersucht. „Die Vielzahl an Online-Wettanbietern hat das Problem von illegalen Machenschaften erheblich verschärft“, sagt er.

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