Spielmanipulation
Polen kämpft gegen die Fußball-Mafia

Die Korruptionsaffäre im polnischen Fußball nimmt kein Ende. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 200 Spieler, Trainer und Schiedsrichter, die Spiele manipuliert haben sollen. Nicht nur etlichen Erstligisten drohen ernste Konsequenzen: Dem Gastgeberland der Europameisterschaft 2012 gehen die unbelasteten Schiedrichter aus.

WARSCHAU. Der polnische Fußball versinkt im Korruptionssumpf. Dem Land, das gemeinsam mit der Ukraine die Europameisterschaft im Jahr 2012 organisiert, droht ein großer Imageschaden. Heute entscheidet der höchste Gerichtshof darüber, ob die Degradierung der Klubs Korona Kielce und Zaglebie Lubin in untere Spielklassen rechtmäßig war. Ein Schlichtungsgericht hatte die beiden Vereine zuvor wegen Schiedsrichterbestechung verurteilt.

Für den polnischen Profifußball könnte das große Auswirkungen haben – denn unter anderem durfte der Erstligist Widzew Lodz nur durch das frühere Urteil in der ersten Liga bleiben. Sollten die Richter an höchster Stelle diese Entscheidung kippen, könnte der gesamte Spielbetrieb durcheinander geraten.

Die Verhandlung ist nur ein weiterer Akt in einer nicht enden wollenden Korruptionsaffäre in Polen. Im Mittelpunkt steht die Fußball-Mafia, die den Kauf von Spielen in allen polnischen Ligen professionell organisiert haben soll. Kopf der Bande ist ein Mann, den die Halbwelt auch den „Frisör“ nennt – seinem früheren Beruf entsprechend.

Offenbar geht es nicht um einen Wettskandal. Die Klubs selbst konnten beim Frisör einzelne Spiele manipulieren lassen, so die Vorwürfe. Der frühere Fußballfunktionär soll ein weitgespanntes Netzwerk gelenkt und als Strippenzieher die Preise diktiert haben. Sein wichtigstes Werkzeug war das Handy. Wie die Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ berichtete, habe er innerhalb von zwei Jahren mehr als 70 000 Gespräche mit 2 500 Handlangern aus dem Netzwerk geführt.

Nach einem Bericht des Radiosenders RMF, der sich auf Angaben der Staatsanwaltschaft stützt, sei es sogar vorgekommen, dass ihn ein Trainer während eines Spiels anrief und sich beklagte: „Hey, der Schiri verschiebt das Ganze ja gar nicht, was ist da los?“ Umgehend habe der Frisör dann zu seinem Telefon gegriffen – und dafür gesorgt, dass der Referee das Match doch noch dreht. Im April verurteilte ein Gericht in Breslau die Mafia-Größe zu dreieinhalb Jahren Haft.

Doch der Frisör ist nur die Spitze des Eisbergs. Ins Visier der Ermittler sind inzwischen Angehörige aller Bereiche geraten: Trainer, Spieler, Funktionäre und Schiedsrichter. Seit dem Frühjahr des Jahres 2004 sind die Behörden rund 200 Verdächtigen auf der Spur. „Ich weiß nicht, ob es noch 50, 150 oder sogar mehr Personen werden. Aber ich denke, dass im nächsten Jahr die Ermittlungen zum Ende kommen werden“, sagte unlängst der polnische Sportminister Miroslaw Drzewiecki.

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