Fußball
Sponsoren dürfen inkognito ins Stadion

Von den Sicherheitsmaßnahmen, die bei der Ticketvergabe für die Fußballweltmeisterschaft 2006 gelten, sind über eine Millionen Eintrittskarten ausgenommen. Die Polizei und Verbraucherschützer protestieren.

HB BERLIN. Fanverbände, Verbraucherschützer und die Polizei haben gegen Sonderregelungen für die Tickets von Sponsoren und Fußballverbänden zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland protestiert. Das Veto richtetet sich dagegen, dass die Tickets nicht personengebunden sind. „Das erleichtert unsere Arbeit nicht“, sagte Frank Scheulen, Sprecher der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze (ZIS), dem Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstag-Ausgabe). Dort werden die Daten von Hooligans und Fans mit Stadionverbot gespeichert. Die ZIS befürchtet ein „Informationsdefizit“, wenn die Daten nicht kontrolliert werden können.

„Es ist sonderbar, dass zwei Maßstäbe gelten“, sagte Carel Mohn von der Bundeszentrale der Verbraucherschützer. „Bei den Fans setzt man sich über alle Datenschutzbedenken hinweg, bei Sponsoren ist das Prozedere anders. Damit macht man sich unglaubwürdig.“ Der Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, Horst R. Schmidt, hatte dem Tagesspiegel gesagt, dass auf den Eintrittskarten der WM- Sponsoren und teilnehmenden Verbände „kein einzelner Name, sondern nur der entsprechende Firmen- oder Verbandsname“ gedruckt wird. Von den gut drei Millionen Eintrittskarten stehen den WM-Sponsoren 550 000 zu, die teilnehmenden Fußballverbände erhalten 470 000. Auf diesen Tickets sollen nicht die einzelnen Namen, sondern lediglich die Firmen- oder Verbandsnamen aufgedruckt werden. Experten befürchten dadurch eine Forcierung des Schwarzmarktes und Sicherheitslücken.

„Das ist ein Schock und eine Ungleichbehandlung“, sagte Michael Gabriel von der Koordinationsstelle der deutschen Fanprojekte (Kos). Auf den Eintrittskarten aus dem freien Fanverkauf wird der Name des Besitzers stehen. Über einen Chip, der im WM-Ticket integriert ist, kann außerdem auf die Daten des Besitzers zurückgegriffen werden, die dieser zuvor auf seitenlangen Bestellformularen angeben musste. Dieser Schritt wurde vom OK mit Sicherheitsstandards begründet.

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