Sponsoring
Firmen sparen an VIP-Paketen für WM 2010

Sie sind ein ideales Instrument zur Kundenbindung und zur Anbahnung von Geschäften: VIP-Karten für die Fußball-WM 2010 in Südafrika. Doch während die Nachfrage nach so genannten Hospitality-Paketen im Gastgeberland des Turniers boomt, halten sich die Unternehmen in Europa bislang zurück. Das liegt nicht nur an der Rezession.

DÜSSELDORF. Noch 475 Tage sind es bis zum Anpfiff der Fußball-WM in Südafrika. Und ab dem heutigen Freitag, 12 Uhr, können Fans auf der Site des Weltverbands Fifa (www.fifa.com) Karten reservieren. Doch ein Ansturm wie 2006 könnte diesmal ausbleiben. "Es wäre dumm von mir zu sagen, dass die weltweite Rezession keinen Einfluss auf die Weltmeisterschaft hätte", sagte Vizepräsident David Will. Gut zwei Millionen Tickets stehen zum Verkauf, eine weitere Millionen geht an Sponsoren, die Inhaber der Hospitality- und der TV-Rechte.

Die Nachfrage nach so genannten Hospitality-Paketen, die Firmen kaufen können, um Geschäftspartner zu WM-Spielen einzuladen, ist nördlich des Mittelmeeres allerdings bisher eher mau. In den vergangenen Monaten wurden nach Angaben des Fifa-Exklusivvermarkters Match Hospitality zwar insgesamt so viele Pakete wie noch nie geordert. Doch stammten gut 90 Prozent der Bestellungen aus Afrika, sagt Peter Csanadi, Marketingchef des Schweizer Vermarkters. Dort werde so richtig geklotzt.

Anders in Europa. Hier halten vor allem die Wirtschaftskrise und juristische Bedenken noch viele Unternehmen davon ab, für teure Hospitality-Pakete Geld locker zu machen.

"Wie wir hören, ist die Zurückhaltung im Moment noch sehr groß", sagt Uwe Alten von der Firma Experience. Der Frankfurter Dienstleister organisiert für seine Kunden, darunter einer der Hauptförderer der WM, Sponsoring-Veranstaltungen rund um die Spiele. Die Krise senkt offenbar die Schenklaune. "Viele fragen sich, ob es opportun ist, jemanden nach Südafrika einzuladen, wenn man selbst oder andere Staatshilfe bekommen", sagt Alten. Zwei Drittel der Hospitality-Kunden bei der WM 2006 seien Firmen aus der Finanzindustrie gewesen. Und Hospitality kostet richtig Geld. Mit Flug, Hotel, Programm und Spielen kommen schnell bis zu 5000 Euro pro Gast zusammen. Das teuerste Paket kostet 1,5 Mio. Euro. Dafür dürfen 850 Gäste aus gemütlichen Privatlogen heraus die Spiele verfolgen.

Dass die Wirtschaftskrise Auswirkungen hat, will auch ein Berufsoptimist wie Csanadi von Match nicht leugnen. "Wir erwarten nicht, dass die Europäer Südafrika besetzen", sagt er. Joachim Hilke von Sportfive drückt sich vorsichtiger aus. "Es bleibt natürlich abzuwarten, wie es sich entwickelt", sagt der Executive Vice President International Marketing des Rechtevermarkters. Die Hamburger Firma verkauft für Match die Hospitality-Pakete in Europa. Ein schwieriger Job in diesen Zeiten? "Nein, die Nachfrage ist da, nur ist das Thema bei vielen im Moment noch nicht so präsent", sagt Hilke. Die Firmen warteten noch ab, denn sie wüssten ja noch gar nicht, ob sich ihre Mannschaft qualifiziert.

Ein anderer Grund für die Zurückhaltung gerade der deutschen Firmen dürfte die Angst vor juristischen Problemen sein. Seit Utz Claassen, Ex-Chef von EnBW, wegen Korruptionsverdachts vor Gericht stand, sind VIP-Tickets in Verruf geraten. Claassen wurde freigesprochen - doch die Unsicherheit bleibt.

In einer Umfrage der deutschen Sponsorenvereinigung S20 gaben 40 Prozent der befragten Marketing- und Sponsoringverantwortlichen an, dass die unklare Rechtslage die Hospitality-Maßnahmen beeinflusse. Ein Drittel will künftig solche Aktivitäten sogar zurückfahren. "Ich kenne kein Land, in dem das so ist", schimpft Match-Manager Csanadi. Doch damit müsse man wohl leben.

Dienstleister Alten mahnt unterdessen alle interessierten Unternehmen, geplante Sponsoring-Aktiviäten bald anzugehen. "Bei vielen ist die WM noch nicht auf dem Radarschirm", sagt er. Der Organisationsaufwand und die Besonderheiten vor Ort würden oft unterschätzt. Diese "Laissez-faire-Haltung" sei fahrlässig. "Irgendwann ist es zu spät, noch etwas Größeres auf die Beine zu stellen."

Public Viewing zum Beispiel müsse gut geplant sein. "Im Juli ist in Südafrika Winter, und dann muss man überlegen, ob man nicht sogar Glühwein bereithält". Ein anderes Beispiel: Hostessen. "Sie müssen rechtzeitig sehen, wo sie die herbekommen", sagt Alten. Mit solchen Jobs gebe es bisher in Südafrika kaum Erfahrungen. "Also müssen Sie an die Universitäten gehen, Kandidatinnen auswählen und sie dann trainieren", so der Organisator. Oder Busfahrer: "Sie müssen sicherstellen, dass der bestellte Fahrer auch kommt und nicht gerade keine Lust hat." Es überrascht kaum, dass Alten rät, für all solche Planungen einen professionellen Dienstleister zu engagieren.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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